Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 8 (1930)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1930)
- Article
- Die neue Synagoge in Amsterdam-Ost
- Date
- 1930-03-01
- Page
- Seite 166 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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166 MENORAH das Werk von Harry Elte, haben die Leser unserer Zeitschrift schon näher kennengelernt. Jetzt soll ihnen das gleichzeitige Gegenstück, ein Werk von Jacob S. Baars, vorgeführt werden. Auch diesmal möchten wir fürs erste dem Künstler das Wort überlassen. Baars hat seinerzeit, wie das ja üblich ist, seine Arbeit mit einer Erläuterung begleitet. Wir entnehmen ihr, was wir für besonders charakteristisch halten. ,,.. . Die auf der bescheidenen Baufläche von 500 m2 herzustellenden Räume umfassen: eine Synagoge für rund 300 Männer und — auf den Galerien — 125 Frauen; einen Versammlungssaal, zugleich bestimmt für Gebet und Lernen an Wochentagen; zwei rituelle Bäder. Außerdem eine Küsterwohnung — das alles umgeben von den entsprechend notwendigen Diensträumlichkeiten. Auch die Orientierung des Tempels war eine Sache von großer Bedeutung. Es braucht keine besondere Begründung, daß die Ost- oder noch genauer die Südostrichtung des Hauptraumes den Gesamtplan sehr stark beherrscht, ja beherrschen muß. Dies ist dann auch der Grund dafür, daß die Achse der Synagoge (gemeint ist das Hauptgebäude) die Achse der vorüberziehenden Linnaeusstraße in einem Winkel von 45 Grad schneidet. Infolgedessen hat der Hauptraum eine eigenartige, beinahe achteckige Form erhalten, und man überblickt vom Haupteingang sofort die ganze Tiefe. Das ist von Wichtigkeit. Denn auf diese Weise wird der Eintretende sofort getroffen von der Größe und Weite des Raumes, in dem das Wort des Herrn verkündigt werden soll, und empfindet demütig die menschliche Nichtigkeit gegenüber dem Schöpfer. Das Äußere der Synagoge ist in einer Art niederländischer Kirchenbauform gehalten. Auch dabei drängten sich verschiedene Fragen auf. Viele Menschen meinen, eine Synagoge müsse schon außen etwas spezifisch Synagogenhaftes zeigen, also eine Form, die eigentlich gar nicht existiert. Um diese Meinung zu unterstützen, hat man sein Augenmerk gerichtet entweder auf Synagogen in den Ländern des Westens aus der Zeit der Renaissance (also auf Synagogen im Stil ihrer Zeit) oder auf mehr östliche Schaustücke mit besonderen Motiven wie etwa arabischen Kuppeln, Bogen u. ä. m. Aber das und jenes läßt sich mit den gegenwärtigen Vorstellungen der Sache nicht gut in Einklang bringen. Darum ist hier eine Form hervorgebracht, die auf einer reinen rationellen und struktiven Architektur beruht, Symbol jener Sicherheit, die der Glaube den Andächtigen bringt; darum sind alle ungeklärten, übermäßig modernen Ex-