Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 8 (1930)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1930)
- Article
- Der Mann mit dem feurigen Herzen: Chajes
- Date
- 1930-03-01
- Page
- 153 (sequence 1)
- Language
- German
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DER MANN MIT DEM FEURIGEN HERZEN: CHAJES Von Ludwig Bato Wer darf aufsteigen auf den Berg des Herrn, Wer stehen auf seiner heiligen Stätte? Wer reiner Hände ist und lautern Herzens, Wer nie zum Falsch die Seel' erhob . . . (Psalm 24) In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bringt das jüdische Volk, in edlem Wetteifer von Ost und West, eine Reihe starker, kerniger Persönlichkeiten hervor, die berufen sind, in die jüdischen Geschicke lenkend einzugreifen. Diese Männer, die sich an die Spitze der jungen nationalen Bewegung stellen, sind Revolutionäre mit feurigem Herzen, die mit ihrem Temperament die Massen mit sich reißen. Die Massen? Die Denkenden, die Furchtlosen, die ihrer Verantwortung Bewußten, die — wie bei allen Völkern der Erde — nur einen geringen Teil des Volkes bilden. Unter den Männern mit den feurigen Herzen ragt Zewi Perez Chajes empor. Seine Seele ist voller Kämpfe und Ringen, Unrast und Unruhe stecken in seinem Blute schon von den Geschicken seines Geschlechtes her. Durch blutige Verfolgungen aus Portugal vertrieben, greifen die Ahnen nach dem Wanderstabe und gelangen nach der sonnigen Provence, von dort wandern sie nach dem düsteren Böhmerland, wo das Oberhaupt der Familie das Amt des Prager Rabbiners bekleidet und sich mit dem hohen Rabbi Low verschwägert. Von dort ziehen sie nach dem Sitze der talmudischen Gelehrsamkeit, nach Polen. Tiefes rabbinisches Wissen wird in der Familie gepflegt, aber so manches Mitglied,, so der gelehrte Rabbi Jizchak Chajes um die Wende des 17. Jahrhunderts betreibt auch die kabbalistische Geheimlehre. Andere Angehörige der Familie liegen hinwieder auch dem Handel ob, so der Ururgroßvater und der Urgroßvater, großzügige Kaufleute, die ihre Geschäfte bis nach Florenz und Livorno führen. Der Großvater, Rabbi Zewi Flirsch Chajes, ist eine merkwürdige, vom Alltäglichen und seiner Umgebung ganz abweichende Gestalt, die die größten Gegensätze in sich vereinigt. Als strenggläubiger Rabbiner vom alten Schlag steht er der frommen Gemeinde Zolkiew in Polen vor, wird als eine der größten talmudischen Leuchten des 19. Jahrhunderls bewundert und hängt dabei aufklärerischen Ideen nach. Sieht man ihn abkonterfeit in Kaftan und Spodek, der hohen Pelzmütze der polnischen Juden, mit langem Bart und