Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 8 (1930)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1930)
- Article
- Die geopolitische Bedeutung Palästinas, besonders für das britische Imperium
- Date
- 1930-03-01
- Page
- Seite 120 (sequence 14)
- Language
- German
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- Haifa 1× ep/1047930
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120 MENORAH als die Eisenbahntrasse festgelegt ist, und schließlich ist anzunehmen, daß man beide Arbeiten gleichzeitig durchführen wird. Nun hat sich, wie im Herbst 1928 gemeldet wurde, eine kapitalkräftige englische Gruppe um die Erteilung einer Ölkonzession in Irak beworben und sich als Gegenleistung bereit erklärt, den irakischen Teil der künftigen Bagdad—Haifabahn ohne finanzielle Mitwirkung der irakischen Regierung zu bauen. Mag das lediglich einen Druck auf die Turkish Petroleum Co. zur Inangriffnahme ihrer Arbeilen und damit zum Bau der pipe-line sein, so zeigt sich damit auch, daß sich die Projekte in einem akuten Entwicklungsstadium befinden und daß man wohl in nächster Zeit über die endgültigen Entscheidungen hören wird. Der Beginn der Arbeiten am Ausbau des Haifa-Hafens ist erwähnt worden. Damit, daß nun aber gebaut wird, läßt sich noch nichts über den Umfang der Pläne sagen, vor allem nichts darüber, ob es sich lediglich um einen Handels- und Ölhafen oder aber um einen Kriegshafen handeln soll. Nach Meldungen vom Jänner 1929 soll die französische Regierung in einem Memorandum an das Foreign Office gegen die Umwandlung Haifas zum Kriegshafen protestiert haben. Aber wahrscheinlich gehen die Pläne der englischen Regierung gar nicht so weit. England besitzt in Malta und Zypern geeignete Stützpunkte für seine Flotte; es werden daher nur Vorkehrungen getroffen werden, um die englische Mittelmeerflotte in Haifa in Sicherheit mit Brennstoffen versehen zu können. In diesem Zusammenhang könnte an die über den Londoner Korrespondenten des ,,Doar Hajom", des palästinensischen Organs Jabotinskys, im September 1926 lancierte Meldung erinnert werden, die Palästina als künftiges militärisches Orientzentrum Englands mit Haifa als Kriegshafen bezeichnete. Allenby sollte, als Nachfolger Lord Plumers im Oberkommissariat, die Umgestaltung durchführen. Aber nichts ist davon bisher effektuiert; nicht der Militär Allenby ist an Stelle Plumers Oberkommissar von Palästina geworden, sondern Sir Robert Chancellor. Damit ist dieser Posten zum erstenmal mit einem Mann besetzt worden, der große Erfahrungen auf kolonisatorischem Gebiet besitzt. Das läßt eher den Schluß zu, daß England im Augenblick mehr Wert darauf legt, den Juden in ihrer Forderung, es solle dem zionistischen Aufbauwerk nicht mit passiver Sympathie zusehen, sondern es aktiv fördern, entgegenzukommen, als sich im Jordanland militärisch stark zu machen. Trotzdem bleibt die geopolitische und strategische Bedeutung Palästinas für England evident, und dieses wird in seiner Politik vorwiegend diesem Faktum Rechnung tragen.