Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 8 (1930)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1930)
- Article
- Juden sollen Bauern werden!
- Date
- 1930-01-01
- Page
- Seite 90 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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90 MENORAH ins Gesicht stieg. Er schien es bemerkt zu haben und fuhr freundlich fort: „Beruhigen Sie sich, ich hatte nicht die Absicht, Sie zu beleidigen. Ich sagte es bloß in bezug auf die Masse der Einwanderer. . . Erst toben sie alle: Gebt uns Boden! Und nun wollen sie nicht von der Stelle... Bloß die Gruppe 41 mit den Brüdern Kejles gelang es uns, anzusiedeln, sonst keinen mehr!" „Schicken Sie mich, Herr Gerbl!" forderte ich entschlossen. „Ich gehe gerne aufs Kamp und ich werde Ihnen sogar dankbar sein." „Gemacht!" sagte er zufrieden. „Suchen Sie sich inzwischen einen Nachbarn und kommen Sie mit ihm nach zehn Tagen, damit ihr euer Los ziehet, und wir werden euch dann aufs Land schicken." Freudigst eilte ich zu meiner Frau, die noch im Wochenbette lag, um ihr die Botschaft zu bringen, daß wir baldigst unsern Boden erhalten und die üble Gesellschaft im Lager verlassen werden . . . JCJC. Hersch Lejhibl der JDieh Einige Tage darauf saß ich eines Abends in meiner Hütte und las ein Buch. Es war kalt, und meine Frau, die Wöchnerin, die mit dem Säugling auf einer Pritsche lag, bat mich, sie gut zuzudecken. Ich zog einen meiner beiden Böcke aus und hüllte sie ein. Indessen öffnete sich die Blechtüre und ein Mann mit einem mächtigen, roten Bart trat ein. „Was treibst du da, du lernst?" fragte er mich barsch mit heiserer Stimme. „Deine Frau ist Wöchnerin und drinnen ist kalt! Warum machst du kein Feuer, du Trottel, sie wird dir doch vor Kälte erfrieren!" Ich erschrak vor diesem breitknochigen, kräftigen Juden, besonders aber vor dem Knüppel, den er trug, und vor seinem stechenden Blick. Er bemerkte es und rief mir lächelnd zu: „Hab' keine Angst. Ich bin der Wächter. Gerbl hat mich beauftragt, das Baumaterial, das vor dem Administrationsgebäude liegt, zu bewachen, damit es nicht zum Heizen verwendet wird .. . Wart einen Augenblick, ich werde dir Holz bringen. Hast du eine Axt, wie? Sie haben sie dir gewiß während der Revolution konfisziert!" sagte er zähneknirschend und eilte fort. Einige Minuten später kam er mit einem Brett zurück, das einige Pesos wert war, nahm eine scharfe Axt und hackte es klein. „Nun mach' Feuer und koche ihr einen Tee!" sagte er und setzte sich zu mir hin. „Weißt du, wer ich bin?" fragte er ironisch. „Weißt du, wen Gerbl zum Wächter gemacht hat?"