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Menorah · 1930-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1930) · p. Seite 89

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
8 (1930)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1930)
Article
Juden sollen Bauern werden!
Date
1930-01-01
Page
Seite 89 (sequence 3)
Language
German
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JUDEN SOLLEN BAUERN WERDEN! 89 Wenn sich einige befreundete oder verwandte Familien zusammen ansiedeln wollten, so wurde es ihnen von der Administration untersagt. Jeder mußte eine Nummer ziehen. Und es geschah oft, daß man wildfremde Menschen zu Partnern bekam. Wir protestierten gegen diese Verordnung, was Gerbl zu der zornigen Bemerkung veranlaß te: „Ah so, Sie wollen, daß alle Revolutionäre beisammen bleiben! Das gibt es nicht! Ziehen Sie eine Nummer und basta!" Mit Mühe gelang es uns, zu erwirken, daß Brüder, Eltern und Kinder und solche, die keine Verwandten besaßen, mit Freunden zusammen eine gemeinsame Nummer ziehen durften. Das wurde das „Bruderlos*6 oder „Nachbarlos" genannt. Das geschah folgendermaßen: Vorerst wurde die Gruppennummer ausgelost, dann zogen die sechs oder acht Kolonisten eine weitere Nummer, die bestimmen sollte, welcher Landteil jedem einzelnen gehörte. Hier war lediglich der blinde Zufall maßgebend. Ob der Boden gut oder schlecht, oder ob die Nachbarn verträgliche Menschen waren — man mußte sich eben damit zufriedengeben. Sechs „Alleinstehende", Brüder und Schwäger aus den Familien Kejles und Schlomtschuk, siedelten sich als erste an. Die Familienväter wollten erst dann aufs Land ziehen, bis auf ihrem Kamp Wohnstätten erbaut würden. Viele gingen hinaus, um zuzusehen, wie die Brüder Kejles angesiedelt wurden. Andere waren voll Freude, daß man schließlich und endlich Boden erhielt. Die meisten aber weinten, fluchten der ganzen Welt und waren fest entschlossen, sich mit ihrer kläglichen Ausstattung, den Zelten, einem kleinen Handpflug und einem Paar Ochsen, nicht eher aufs Land hinauszuwagen, bis sie taugliche Geräte und geeignete Wohnstätten erhalten würden. Einige Tage nach Ostern begab ich mich in das Verwaltungsgebäude, um mein Töchterchen, das meine Frau am letzten Tage des Osterfestes geboren hatte, von Dr. JafTe in die Geburtsmatrikel eintragen zu lassen. Ich fand dort gerade Gerbl mit dem neuen Administrator Wulf. „Wie wird Ihre neugeborene Tochter heißen?" fragte der Arzt. „Miriam Esther!" erwiederte ich. „O, welch schöner Name!" sagte Gerbl. „Viel Schönes gibt es bei den Juden. Sie haben schöne, zarte Frauen, schöne Kinder, aber keine schönen Sitten", fügte er verächtlich hinzu. Ich stand beschämt und gaffend da und fühlte, wie das Blut mir

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