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Menorah · 1930-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1930) · p. Seite 86

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
8 (1930)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1930)
Article
Vom Geist der Synagoge
Date
1930-01-01
Page
Seite 86 (sequence 8)
Language
German
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86 MENORAH schung und Versenkung, erfahren hat, wird es auch ihm zum Erlebnis. Man wird die Enthaltsamkeit seiner Sprache nicht zu schwer nehmen dürfen, der Bericht Gorges (erschienen in der Zeitschrift ,,Der Architekt") war für die allgemeine, also nicht bloß jüdische Öffentlichkeit bestimmt, und eine gewisse Reserve daher nur natürlich. Doch bleibt hier, auch bei der Ermittlung des inneren Tatbestandes, das exakte Verfahren, die Distanz der objektiven Betrachtung. Um so sympathischer schon im Geistigen die Hingabe an die Idee und dann im Werk jene zarte Einfühlung, die — ohne Zierat und Embleme, also ohne die Hilfsmittel zweiter Ordnung — auf eine durchaus bauliche Weise Anblick, Gestalt und Stimmung einer fein bewegten, rein jüdischen Andachtsstätte hervorbringt. So ergibt sich zum Schlüsse auch hier jene Einheit von Werk und Seele, ohne die kein vollkommenes Kunstwerk zu denken ist. Man halte dagegen die eitlen und fremden Prächte der Tempel aus dem vergangenen Jahrhundert; wer sie nun, mit geschärfter Empfindung, ansieht, wird leicht finden, daß da Form und Inhalt irgendwie auseinanderklaffen. Und dieser Zwiespalt spricht ihnen das Urteil. Vor allem infolge dieser Unstimmigkeit von nur halbem Erlebnis und übermäßigem Aufwand gehören sie einer vergangenen, abgetanen Epoche an. Die neue aber beginnt mit dem sauberen Verhältnis von Bauen und Glauben. Auf sehr verschiedenen Wegen — wir sahen zwei: den Weg des altgläubigen Bekenntnisses und den Weg der reli giösen Einsicht — immer aber mit gewissenhafter und edler Teilnahme kommt sie zwangsläufig — und dies scheint uns das Entscheidende — zum Ursprünglichen: zur modernen, lebendigen Verkörperung der Tradition. Klarer als das übrige beweist diese organische Zusammenkunft von ehrwürdigem Brauch und gegenwärtiger Verwirklichung, daß unsere Tempelkunst die richtige, die allein mögliche Bahn ihrer Entwicklung betreten hat. Nun endlich wieder ist ihr Werk zeitlich im Zeitlosen, beherrscht in der Hingabe, neu-alte Heiligung. . . Nach einer solchen Vorbereitung wird man auch den neuen Tempel an der Eitelbergergasse in Hietzing, um den sich der Vorstand der Synagoge, Architekt Grünberger als Entwerfer und in besonders mühevoller, selbstloser Arbeit Architekt Jelletz verdient gemacht haben, leichter gerecht werden. Das soll mit aller angemessenen Sorgfalt ein nächstes Mal geschehen. T^Tax Hisler.

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