Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 8 (1930)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1930)
- Article
- Jüdische Jugend und Jugendwohlfahrt
- Date
- 1930-01-01
- Page
- 63 (sequence 1)
- Language
- German
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Jüdische Jugend und Jugendwohlfahrt V on Julius S t e r n In der Einstellung der heutigen Gesellschaft zu sozialen fragen konimt am deutlichsten der Gegensatz zwischen Vor- und Nachkriegszeit zum Ausdruck. Dies findet seinen Niederschlag in dem sozialpolitischen Gesetzgebungswerke dieser Zeil. Auch wenn man de1 Unvollkommenheiten der beiden Hauptgesetze auf dem Gebiete staatlicher Wohlfaluispilege der Nachkriegszeit nicht übersieht, muß man doch zugeben, daß für diese Gesetze in der Vorkriegszeit kein Raum gewesen wäre. Der Geist dieser Gesetze, der FürsorgepJlichtverordnung und des Reichsjugetidwohlfahrlsgesetzes, der eine Verpflichtung der Gemeinschaft am Hilfsbedürftigen begründet, ist der früheren Epoche fremd gewesen. Die Neuorientierung der Wohlfahrtsgesetzgebung führte zu einer Erweiterung des gesamten Aufgabenkreises der öffentlichen Wohlfahrtspflege und bot dem sozialen Empfinden einer großen Anzahl von Menschen neue Wirkimgsmögliehkeilen. Eine Folge davon war. daß sich viele4 dem Beruf des Sozialbeamlen zuwandten, und es ist kein Zufall, daß sich unter ihnen Menschen aus der Jugendbewegung in erheblichem Maße fanden, ist doch Hilfe an der Gemeinschalt immer ein wesentliches Kennzeichen jugendbewegten Denkens" gewesen. Die Entwicklung der allgemeinen Wohlfahrtspflege in der Nachkriegszeit hat naturgemäß auch die jüdische Wohlfahrfspilege beeinflußt, wenn auch der für die Gesetzgebung neue Begrilf des Anspruches des" Hilfsbedürftigen auf Unterstützung durch den wirtschaftlich Stärkeren nicht erst jetzt in jüdisches Denken eingeführt zu werden brauchte. Drückt doch der alle jüdische Gedanke der Zedakah nichts anderes aus. Dieser allneue Gedanke bekam jetzt aber durch die Verankerung im Gesetz und Bewußtsein der Ze.it einen vie1; Iragfähigeren Unterbau. Gleichzeitig erfuhren nach dem Vorbild staatlicher und kommunaler Wohlfahrtspflege alle Zweige jüdischen Wohlfahrfswesens eine slraH'ere. sinnvolle Zusammenfassung und organische Durchbildung. Die Revolutionierung in den Prinzipien und die Vervollkommnung im Aufbau öffentlicher jüdischer Sozialpllege konnte natürlich ihren Eindruck auf die jüdische Jugend nicht verfehlen. Aufgeschlossen den zeitlxwvegenden sozialen Fragen und dem Bereich des Jüdischen sich immer bewußter zuwendend, mußte sie in