Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 8 (1930)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1930)
- Article
- Von der Mellah in die Rue des Consuls
- Date
- 1930-01-01
- Page
- Seite 61 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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- Rabat 1× ep/1045497
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VON DER MELLAH IN DIE RUE DES CONSULS Musselin zu machen. Diese Arl Heimarbeit ist im Rückgang, da sie sehr schlecht entlohnt wird, während die Luhne, die dii* europäischen Niederlassungen und Fabriken zahlen, weil besser sind. Auch die nicht einmal so lerne Zeit ist verschwunden, in der Juden für 50 Centimes täglich die berühmten arabischen Pleiten erzeugton. Dieses Gewerbe ging wahrscheinlich gleichzeitig mit der Schnupftabakerzeugung unter, die eingestellt wenden mußte, als das Tabakmonopol an eine europäische Gesellschalt übergeben wurde. Als Dokument für die Bedeutung, die die Juden für das marokkanische Handwerk hallen, diene eine Zählung, die von einem lranzösisehen Gelehrten 1902 in Rabat gemacht wurde; es ist anzunehmen, daß sich dieses Bild bei der Stetigkeit der Wirtschaft seither nicht allzusehr verändert hat. Kleinverkaut in Raumwollwaren 2K Öl- und Seifenhändler .... Schneider......... 22 Goldschmiede........ 17 Klempner......... lä Gewürzhändler....... 14 Seidensticker . ....... 12 Schuhilicker........ 12 Kleinhändler........ 11 Schneiderinnen....... 10 Fleischhauer........ 9 Schachler ......... 8 Gemüsehändler....... 8 Haarschneider ...... (> Tischler .......... "> Wechsler......... f) ön'enlliche Ausrufer..... 5 Schuhmacher ........ -1 Samlsticker........ 4 Eisenwarenhändler...... Schreiber......... Sei fen erzeuger....... 2 Schnupflabakerzeuger .... 2 Maultiertreiber....... 1 Wachszieher........ 1 Rinder.......... 1 Außerdem gab es noch einige Landhausierer, welche sich in den „Souqs" aufin hielten, wo sie Raumwollwaren verkaufter! Dies ist noch heute zu sehen. Nur aus der Stadl sind die Hausierer wegen des Verbotes, in den Eingeboreneilbezirken ihre Waren /u verkaufen, verschwunden. Das Verbot wurde seit der Besetzung Rabats durch Frankreich häufig übertreten, besonders von Zuckerwarenverkäufem, die in der ..Medina" ihre Kuchen und Näschereien feilbieten. In der großen Geschäftsstraße Rabats, der Rue de- Gonsuls, sind neben den arabischen Geschaffen die schönen und modernen jüdischen Warenhäuser zu finden und manche reiche Familie hat dort ihr Haus erbaut. Einige der führenden Geschäftsleute wurden zu Konsuln verschiedener Staaten ernannt und manche alleingesessene Familie hat den Zusammenhang mit der alten Judenstadl, der Mellah. zerrissen und sich ganz europäisiert. Noch heute sind es jüdische Händler, die die Harems des Sulla n.s mit all den schönen Sachen beliefern, die Europa und der Orient bietet. In den Rüchern der Brüdei Tharaud findet sich eine hübsche Darstellung: ,1m Hintergrund einer der Sackgassen, die zum Paläste führen, flammt neben dem schwarzen Kaltau eines Juden das grüne Samtkleid einer riesigen Jüdin auf, die ein Tuch aus kirschfarbener Seide um den Kopf trägt. Das ist ein alles jüdisches Ehepaar, Herr und Frau Sadoun, das jeden Morgen aus der Mellah (Judenvierlel) kommt, auf einem Esel Baumwollstoffe und Tuche •aus England, gestickte Musseline und Lyoner Seide bringt, schöne Kaflane. die in den Hinlerräumen .stinkender, blau getünchter Häuser gearbeitet werden; dies alles jenen Gefangenen des Harems als Schmuck, die weniger von Sehnsucht nach Freiheit heimgesucht werden, als von Koketterie. Eifersucht und Liebe. Diese Juden, Vesiere der schönen Kleidung, welche man stets am Eingang der scheriTischen Gemächer trifft, sind die Unterhändler zwischen dem Sultan und der Mellah. Wer könnte von den Diensten erzählen, die sie in schweren Tagen ihren Glaubensbrüdern erwiesen haben, indem sie reizende Lippen mit dem Sultan sprechen ließen?*