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Menorah · 1930-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1930) · p. Seite 44

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
8 (1930)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1930)
Article
Der kleine Ahasverus
Date
1930-01-01
Page
Seite 44 (sequence 17)
Language
German
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44 MENORAH als Ziel ihrer Wanderung befriedigle, passierten sie sie. ohne gesehen zu werden — Gott mag wissen wie — und setzten die Reise fort. Nicht einen Meter von ihnen entfernt lag ,,the third rail", die Leitungsschiene, durch die ein so starker Strom ging, daß sie pulverisiert worden wären, wenn sie sie auch nur mit einem Finger berührt hätten. Das Schicksal aber, das damit beschäftigt gewesen sein mag, irgendwo in einer vierten Etage, wo Kinder allein zu Hause waren, die Haspe eines Fensters zu lösen, ließ die kleinen Füße, wo sie sicher gingen. Sie trotzten noch größeren Gefahren; sie kamen unbeschädigt durch das unterirdische Zuglabyrinth auf der Grand Central Station, wo New Yorks Subway durchfährt, und dann ein großes Stück weiter durch den Eisenbahntunnel auf der anderen Seite, bis sie schließlich gefunden wurden. Wenn man den Zeitungen Glauben schenken darf, die tags darauf die Geschichte brachten, so hatten die Kinder den ganzen Weg von der 33. bis 47. Straße unter der Erde zurückgelegt. Wie sie unbeschädigt durch die Zentralstation gekommen waren, das vermag kein erwachsener Mensch zu erklären. Ein Eisenbahnarbeiter aber sah sie durch den Tunnel bei der 47. Straße angeschwankt kommen und brach in ein Entsetzensgeheul aus. Das wäre fast der Tod der Kinder gewesen. Es näherten sich Züge von verschiedenen Seiten, und als Leo hörte, daß er entdeckt war und daß das schrecklich sei, verlor er den Kopf und fing an zu weinen. Es mußte ja Gefahr im Anzüge sein, wenn ein erwachsener Mensch so furchtbar schrie. Die beiden Kleinen hielten einander um den Hals gefaßt, als der Eisenbahnarbeiter in wahnwitzigen Sprüngen herbeikam und sie gerade vor der Laterne einer Lokomotive fortriß. Er rettete sich auf einer Laternenplattform, einer kleinen Insel mitten im Schienenmeer, und hier gab er jedem der Kinder eine Ohrfeige, worauf er vor überstandener Spannung in Ohnmacht fiel. Großes Drama, ein Mann umgefallen und zwei Kinder heulend, teils aus Schreck, teils wegen der Prügel, die sie bekommen hatten! Die kleine, stramme Marya verfügte über eine wahre Himmelsskala, wenn sie erst einmal anfing. Davon war aber zwischen den vielen Zügen im Tunnel nicht ein Laut zu hören, und für diesen oder jenen Lokomotivführer, der die Gruppe unter der Laterne beobachtet haben mochte, sah es aus, wie eine mystische, aber durch sich selbst beredte Pantomime. Die Katastrophe aber machte der Wanderung der beiden kleinen Heimatlosen ein Ende. Das Ungeheuer, das sie aufgegriffen hatte und das gleichzeitig lachte und weinte, als es wieder zu sich gekommen

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