Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 8 (1930)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1930)
- Article
- Der Tod Mosis
- Date
- 1930-01-01
- Page
- Seite 24 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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24 MENORAH Da sich Moses mit dem Tode abgefunden hatte, sprach der Ewige: ,, ,Wer wird nun vor mich hintreten für die Frevler',18) wer Israel beistehen, so ich ihnen zürne, und meinen Söhnen ein Helfer im Streite sein? Wer soll nun um Gnade flehen, wenn sie sündigen?" Da trat der Engel Metatron vor, warf sich dem Ewigen, gepriesen sei Er, zu Füßen und sprach: „Herr der Welten! Dein war Moses bei Lebzeiten, Dein ist er im Tode!" Darauf der Herr: „Ich will Dir ein Gleichnis erzählen: Ein König hatte einen Sohn. Der erzürnte seinen Vater so sehr, daß der König ihn gar oft töten wollte, doch immer war es die Mutter, die ihr Kind aus der Hand des Königs errettete. Eines Tages starb die Königin und der König weinte sehr. Da sprachen seine Diener: Herr und König, warum weinst Du so sehr? Der König erwiderte: Ich weine nicht allein um meine Frau, sondern um sie und um meinen Sohn. Denn oft zürnte ich ihm und wollte ihn töten, da war es seine Mutter, die ihn vor mir beschützte. Und so, sprach der Ewige, gepriesen sei Er, zu Metatron, so klage ich nicht nur um Moses, sondern um ihn und um Israel. Wie oft hat dieses Volk mich erzürnt und immer wieder trat er für Israel in die Bresche und besänftigte meinen Grimm." Indes wartete Samael, das Haupt der Satane, ungeduldig auf Moses' Seele. Er dachte: „Wann wird endlich der Augenblick kommen, da Moses stirbt? Dann will ich hinuntereilen und seine Seele holen. Wann endlich wird Michael weinen und ich frohlocken?" Um diese Stunde sprach der Ewige zu Gabriel: „Geh und bringe mir die Seele Mosis!" Gabriel antwortete: „Herr, wie kann ich ihn sterben sehen, ihn, der sechzig Myriaden Volkes aufwiegt!" Es sprach der Herr zu Michael: „So bringe Du die Seele Mosis!" Und Michael: „Ich war sein Lehrer und er war mein Schüler, wie kann ich ihn sterben sehen!" Nun sprach der Herr zu Samael: „So geh denn Du hin und bringe die Seele Mosis!" Samael hüllte sich in Zorn, umgürtete sich mit seinem Schwerte, wappnete sich mit Grausamkeit und eilte zu Moses. Der saß eben da, im Begriff, den vollen Gottesnamen auf eine Pergamentrolle zu schreiben; sein Antlitz strahlte wie die Sonne und er glich einem Engel des Herrn der Heerscharen. Bei diesem Anblick wurde Samael von Furcht ergriffen, er zitterte an allen Gliedern und war unfähig zu sprechen. Moses aber herrschte ihn an: „Bösewicht, was suchst Du hier?" Drauf Samael: „Ich kam, Deine Seele zu holen." Moses: „Wer hat Dich gesendet?" „Der alle Geschöpfe erschaffen hat!", antwortete Samael. Und Moses: „Hinweg, ich will den Ewigen