Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 7 (1929)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1929)
- Article
- Thoraschrein, Almemor und Vorbeterpult
- Date
- 1929-11-01
- Page
- Seite 620 (sequence 2)
- Language
- German
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620 MENORAH Diese elementaren Fragen nach Aussehen und Beschaffenheit des Aron ha-Kodesch, des Almemor und des Amud werden so gut es gehl auf Grund der Schriftquell-en beantwortet, und zwar erhält man die ausgiebigste Antwort in den umfochtensten Fällen. Aus der Diskussion, aus der Polemik lernt man am meisten, stritten sicli die Gelehrten über eine Einrichtung der Synagoge und. was für uns am wichtigsten ist, schrieben sie ihre Argumente nieder, so war das Problem fixiert und es bleibt uns nur übrig, mit mehr oder weniger Scharfsinn zu deuten, was gesagt und gemeint wurde. War jedoch eine Einrichtung sowohl durch Überlieferung als durch Übung geheiligt, unanfechtbar, selbstverständlich sozusagen, so verlor man über sie keine Silbe, kein Wort, das die wißbegierigen Nachkommen aufgreifen könnten. Unsere Generation wendet sich mit besonderer Vorliebe an das / Bild und erwartet von ihm eine um so reichere Ausbeute, als das Bild den Dingen ein getreuerer Spiegel ist als das Wort. Der Zeichner, der sich die Aufgabe stellt, einen Raumabschnitt darzustellen, zeichnet mehr oder weniger richtig alle Gegenstände, die er wahrnimmt, er überspringt auch das ihm Unwichtige nicht, weil es für ihn leichter ist, zu zeichnen, was er sieht, als die Leere mit etwas anzufüllen, was er nicht sieht. Der Zeichner ist der harmlosere Zeuge und daher in einem gewissen Sinne der verläßlichere. Hätten wir zum Beispiel von der großen antiken Synagoge in Alexandrien eine Darstellung, ein noch so primitives Bild ihres Innern, so wüßten wir, ob ihre im Talmud gerühmten Säulengänge als zweireihig oder als zweigeschossig zu verstellen sind, und die Architekten und Archäologen brauchten sich darüber den Kopf nicht zu zerbrechen. Und, was die antiken galiläischen Synagogen betrifft, so sind sie uns in einem Zustand überkommen, der es leider unmöglich macht, die uns brennend interessierende Frage über den Standort des Aron ha-Kodesch zu lösen. Hatte er überhaupt einen festen Platz? Es fehlt uns nicht an Darstellungen des heiligen Thoraschreines, und zwar aus den ersten christlichen Jahrhunderten, das heißt, gerade aus der Zeit der Entstehung der galiläischen Synagogen. Aus diesen Darstellungen auf Goldglasscherben und Katakombengräbern ist es uns bekannt, wie die heilige Lade ausgesehen hat und wie sie, scheinbar an die Wand gelehnt, gestanden hat. Was aus den Bildern nicht zu ersehen ist, ist, vor welcher Wand des Betraumes eigentlich der Aron ha-Kodesch gestanden haben mag. War es die Wand am oberen Ende des Raumes, gegenüber dem Haupteingang, die Wand, vor der im heidnischen Tempel das Kult-