Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 7 (1929)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1929)
- Article
- Juden sollen Bauern werden!
- Date
- 1929-11-01
- Page
- Seite 606 (sequence 5)
- Language
- German
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M ENOR A Ii schlagen und sich an den russischen Konsul um Gerechtigkeit zu wenden. Gerbl fuhr ihnen nach, und mit Hille der bestochenen Polizei ließ er sie alle verhalten. Einen Tag lang wurden sie im ,,calabozo" von Casare/, in engen, nackten und finsteren Gefängniszellen gefangengehalten und danach in die Kolonie zurückgejagt. Zwei Wochen verbrachten die zweiundzwanzig Verhafteten in Xuevo de Julio, und nach vieler Mühe und langwierigen Verhandlungen wurden sie aus Mitleid freigelassen. Es ist zwar eine Schande, aber ich muß es dennoch erwähnen. Viele unserer Leute hatten damals geraunt: „Recht geschieht ihnen! Man darf sich nicht auflehnen! Man muß der Obrigkeit gehorchen! Ein Verwalter ist wie ein Lsprawnik'), man muß vor ihm den Nacken beugen!" Alle Dorfjuden, ehemalige Schankwirte, biedere, sogar ziemlich gebildete, aber zu Spott veranlagte Leute, die von jeher gewohnt waren, dem Gutsherrn zu schmeicheln und den Speichel zu lecken, den ihnen ein edler Pole ins Gesicht gespuckt halte, indem sie noch behaupteten, daß dies ein Allheilmittel gegen die Not wäre . . ., all diese diversen Kriecher beugten sich freiwillig unter das Joch der Verwaltung, und noch heute, obwohl sie fast schon frei und selbständig sind, fallen sie noch immer vor jedem Lumpen der Administration ins Knie. Alle Freigelassenen kehrten in die Kolonie zurück, mit Ausnahme Blumenfelds, der zur „Ausweisung"' verurteilt wurde. Es wurde ihm untersagt, die Ländereien des Barons zu betreten. Und so reiste er nach Rußland zurück. Rabitz, Gerzki und die anderen verpflichteten sich schriftlich gegenüber dem Richter in Nuevo de Julio, daß sie sich fürderhin ,,braV aufführen werden. Eine Zeitlang gingen sie mit zusammengebissenen Zähnen unter uns umher. Erst nach einem Jahre erfuhren wir, daß der Richter und der Kommissar 500 Kühe aus dem Viehstancl des Barons, der zusammen mit dem Land angekauft worden war, vom Direktor Roth als Geschenk erhalten halten, weil sie den „Aufstand" so geschickt durchzuführen halfen. Eine Menge der Alleinstehenden, Menschen mit freien Naturen, kehrten den Kolonisierungsbestrebungen des Barons den Rücken und siedelten sich nahe den Bahnstationen an. Andere wandten sich nach Buenos Aires, und diese „Abtrünnigen" begründeten die jüdischen Gemeinden, die sich jetzt überall in den größeren und kleineren Städten der Republik befinden. In der Kolonie verblieben einerseits die Speichellecker und Knecht- ') Rassischer Kreishauptmann.