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Menorah · 1929-11-01 · Heft 11-12 (November 1929) · p. Seite 604

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
7 (1929)
Issue
Heft 11-12 (November 1929)
Article
Juden sollen Bauern werden!
Date
1929-11-01
Page
Seite 604 (sequence 3)
Language
German
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604 MENORAH neu. Wie nach jeder Katastrophe begann auch jetzt (Iii4 Reue an den Herzen zu nagen. Nachdem die sogenannten Revolutionäre hinter Schloß und Riegel gebracht worden waren, schleppte einer dieser Halbwilden eine junge rote Kuli am Lasso herbei. Alle Gauchos, mit dem Kommissar an der Spitze, saßen ab. Die Kuh wurde gefesselt, und der Polizeiälteste schleuderte sein Messer kunstvoll nach ihr und trat' sie mitten in den Hals. Ein ßlutstrahl schoß empor, und die Bande brach in ein teuflisches Gelächter aus. Hernach ließ jeder seine Künste spielen und schleuderte» sein Messer gegen die Kuh. die jedesmal wild aufsprang und unter dem sielen Gelächter ihrer Peiniger grauenhaft aufheulte, bis sie schließlich zusammenbrach. Dann zog jeder sein Messer heraus, die Kuh wurde1 in große Teile geschnitten und mit dem Fell zusammen gebraten. Alle setzten sich um das große Feuer, schmausten den halbgaren Braten, tranken Wein aus Fellkrügen und feierten die Niederschlagung des Auf Standes. xjLcht Tage lang wurden unsere zweinndzwanzig Leute gefangengehalten, unter der Angabe, daß sie verhört würden. Die Rädelsführer Blumenfeld, Kubitz und Gerzki. sie hatten nichts zu Jachen, die Armen. Wir ließen nichts unversucht flehten Gerbl um Mitleid an. aber es half nichts. Eine höhere Instanz kannten wir nicht wir waren ja Fremde und wußten nicht, an wen wir uns wenden sollten. Der gute Dr. Loewenthal hatte seinen Posten bereits verlassen. Sir Charles Edward Coolian und ein gewisser Adolf Roth, ein deutscher Jude, der in Buenos Aires lebte, hatten die Direktion übernommen. Dieser Roth war der rechte Vogel! Es hieß, daß Gerbl auf seine Anordnung hin die ..Revolution" organisiert habe, um ein Exempel zu statuieren. In der kurzen Zeit seiner Direktionsperiode halte er uns unsäglich geplagt und gequält. Aber sein Ende war tragisch genug. Sollte ihn etwa die Vorsehung für seine Missetaten und für die beim Landankauf in Santa Fe und in der Provinz Entre Rio entwendeten Millionen bestraft haben? Gottes Mühlen mahlen langsam, aber sicher! Seit jener Zeit hatten wir nichts von ihm gehört. Aber im .lahre 1909 erregte er noch einmal großes Aufsehen, und allerlei Gerüchte schwirrten über ihn herum. Am Versöhnungslag desselben Jahres 'erschien Roth unerwartet im Tempel der Casa Libertad 785. obwohl er schon seit Jahren kein jüdisches Gotteshaus aufgesucht hatte. Den ganzen Tag über, bis

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