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Menorah · 1929-11-01 · Heft 11-12 (November 1929) · p. 592

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
7 (1929)
Issue
Heft 11-12 (November 1929)
Article
Hilel Zeitlin
Date
1929-11-01
Page
592 (sequence 1)
Language
German
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HILEL ZEITLIN Die das innere Gepräge und den suchenden Willen einer Zeit repräsentierenden Schriftsteller sind oft nicht diejenigen, von denen die höchste künstlerische oder wissenschaftliche Vollendung erreicht wird, sondern jene, welche ihrer eigenen Natur zufolge mehr oder weniger das Gewissen der Zeit darstellen. Was in dieser Beziehung hie und da von Achad Haam gesagt wurde, dem unermüdlichen und schöpferischen Kritiker der modernen Zionsbewegung, gilt in ganz anderer Weise von Hilel Zeitlin, einem Schriftsteller, der im Westen leider wenig bekannt ist, im Verhältnis zu der Bedeutung, die er innerhalb der wandelnden Strömungen des Ostjudentums einnimmt. Er erscheint modern gerade in dem Sinne, daß er im altreligösen, und zwar im chassidischen Leben wurzelnd, durch Zionismus, Territorialismus und Sozialismus durchgegangen, in keiner „Richtung", auch nicht seiner eigenen, erstarrt ist, sondern die lebendige Gegenwart immer in der Weise ergriffen hat, daß er den Spiegel der Ewigkeit in ihr erblicken möchte. ZeiÜins Entwicklung (er ist 1872 geboren) geht, soweit dies aus wenigen Aufzeichnungen ersehen werden konnte, den typischen Weg des jüdischen Schriftstellers, vom Jeschiwajünger zum Lehrer, vom Lehrer zum Schriftsteller, der aber ohne vorbestimmte „Richtung", vielmehr wie er es selbst einmal bekennt, auch als Schriftsteller nur der Wahrheit zustrebt. Besonders charakteristisch in dieser Hinsicht sind die Aufsätze, die er erst 1911 unter dem Titel „Gedanke und Dichtung" gesammelt hat, Kritisches zur Zeit, zur Literatur, zum Zionismus enthaltend. Was ihn aber noch vom Typischen des modern hebräischen und jiddischen Schriftstellers unterscheidet, ist der hervorstechend; religiöse Zug, nicht in konservativem Sinne, obwohl er auch konservativ ist, sondern so, daß derselbe ebenso mit eindringendem philosophischein wie mit historischem Bewußtsein und vor allem auch mit einer Richtung sozialer Verantwortlichkeit sich verbindet. Und damit stellt sich Zeitlin auch in Gegensatz insbesondere zu Ausartungen der revolutionären Richtung, weiche, materialistisch orientiert, den Geist überhaupt und speziell den Geist des Judentums preisgeben und damit auch nicht das soziale Problem der Menschheit, das zuletzt doch religiöse Wurzeln hat, zu lösen vermögen. Wie ernst es Zeitlin mit der gedanklichen Fassung der großen Probleme ist, zeigt sich in der Klarheit, mit der er philosophische Charakteristiken gibt, so schon in einem seiner frühesten größeren Werke, „Das Gute und das Böse" betitelt. Es enthält eine Darstellung des für den Ethiker zentralen Weltproblems in den bisherigen Entwicklungsphasen des menschlichen Denkens, worin namentlich die Charakteristik des Neuplatonismus, dann auch der Lurianischen Kabbala sehr wertvoll sind, sowie aus der vorigen Geistesgeneration die eigentümlichen Beleuchtungen Nietzsches, Tolstois und Dostojewskis. Und wie Zeitlin die innere Problematik auch des neuesten philosophischen Denkens mitzudenken und mitzufühlen weiß, zeigt sich in einem vor nicht langer Zeit in der „Hatekufah" erschienenen Aufsatz über den russisch-jüdischen Skeptiker Schestow, hinter dessen Verneinungen gedankenhafter WcltanschauungsgebiLde er Gefühlsspuren eines neuen Aufbaues zu ahnen meint. Besonders hebt sich in diesem Aufsatz dieser ferne Ausblick von dem Entwicklungsgänge der von Hume und Kant ausgehenden neueren Denkrichtungen ab, die ja für die letzten Jahrhunderte bis zur jüngsten Zeit repräsentativ gewesen sind. Wichtig für die Beleuchtung der jüdischen Geistesgeschichte ist die historische Stellungnahme Zeitlins zum Ursprung der jüdischen Mystik im allgemeinen und des Soharbuches speziell. In seinem Aufsatze: „Über das Alter der Mystik in Israel" im fünften Bande der „Hatekufah" stellt er die

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