Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 7 (1929)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1929)
- Article
- Der Adoptivsohn
- Date
- 1929-11-01
- Page
- Seite 591 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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DER ADOPTIVSOHN 591 das möglich? In Rußland kommt doch ein einziger Sohn nicht zum Militär! Hören und staunen Sie: Er war gar nicht mein einziger Sohn! Da ich so lange kinderlos war, hatte die Gemeinde — noch vor der Geschichte mit Simon — mir einen Adoptivsohn angehängt, einen gewissen Isak Brodjaga oder, weiß der Teufel, wie er heißt! Ich schreie natürlich: Unerhört! Sie sagen: Das ist ein Irrtum, die Eintragung ist ganz zufällig erfolgt; der Matrikelführer war sicher besoffen und hat jemanden auf einem falschen Blatt eingetragen, auf das er nicht gehört. Kurz und gut, hin und her, man erklärt, man droht, man rennt, man redet. Wenn ich nun die Leute von der Gemeinde anzeige, zeigen sie mich auch an; so soll er ein bißchen Fett abgeben und dienen! Er hat wenig Lust dazu? Wer fragt ihn um seine Meinung?! . . ,,Er dient irgendwo bei Jarmielince. Dort macht er Lagerübung und von Zeit zu Zeit schreibt er einen Brief. Ich sende ihm manchmal einen Zehner, um ihm den Mund zu stopfen.. . Nun aber die Hauptsache und da will ich Sie um Rat fragen: Ich möchte sehr gern meine beiden Söhne los werden, die ich nie hatte — wie froh wäre ich, wenn ich nie von ihnen gehört hätte! Ja, wer lebt, erlebt mancherlei!" Ubertragen von JE. G. Fried. B. Aronson (New York) / Holzschnitt