Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 7 (1929)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1929)
- Article
- Der Adoptivsohn
- Date
- 1929-11-01
- Page
- Seite 587 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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DER ADOPTIVSOHN 587 liercn? Man adoptiert einen fünfjährigen Buben oder ein kleines Mädelchen, die man an sich gewöhnen und glauben machen kann, das seien ihre richtigen Eltern; aber einen Burschen von neunzehn Jahren, der bald zur Assentierung kommt...4 Darauf bemerkt sie: ,Eben deswegen! Warum soll mein Fleisch und Blut zum Militär?' Ich dagegen: ,Aber, wie kann man ein Kind adoptieren, das mehr als zehn Jahre alt ist? Das kann nicht einmal der Gouverneur durchsetzen!' — ,Ach was, bei uns in Ladyschin geht es auch ohne den Gouverneur!' So reden wir hin und her und ich allein überlege mir die Sache hundertmal — denn bei mir geht nichts hui-pfui! Und ich sage mir: Dein Bart wird grau, Berl; warum soll das, wras du mit so viel Mühe zusammengekratzt hast, in alle Winde verstreut werden? Tu', was deine Frau dir rät, und du wirst wenigstens jemand zurücklassen, der nach dir Kaddisch sagt... Eigentlich, ich selber mache mir über derlei Dinge nicht viel Gedanken; denn man stirbt nun einmal und muß seinen Besitz hierlassen, aber drüben läuft man im Totenkleid herum, das nicht einmal Taschen hat, da ist schon wirklich alles einerlei. Aber sie, meine Alte, mit ihren Grübeleien und ihrem fortwährenden Gerede, daß man auch ans Jenseits denken muß .. . Schließlich und endlich — was kann es schaden, wenn jemand da ist, der Jahrzeit nach dir hält? . .. Doch wozu so weit abschweifen? Mehr als ein Jahr ist er schon bei uns, man ist an ihn gewöhnt, kann sich auch einigermaßen auf ihn verlassen; dazu erfährt noch einer von der Gemeinde, ein geriebener Kerl, die Sache und redet mir zu . .. Hundert Rubel habe ich den Gaunern gegeben, eine Rippe aus meinem Leib, außerdem noch die Vermittlerprovisionen; es ging eben nicht anders. Und so bekam ich's Schwarz auf Weiß, gestempelt und gesiegelt, daß ich, Berl Mojsejewitsch WalednikofT, einen Sohn habe, Simon mit Namen, einen richtigen Sohn, geboren in dem und dem Jahr, Monat und Tag, kurz — eine Matrikel, nicht umzubringen." „Sie verstehen doch, das ist in den zwanzig Jahre alten Büchern eingetragen, die schon revidiert, vidiert und mit dem Amtsstempel versehen sind. Und wenn Leute, die von derlei Geschäften leben, von solchen Dingen Wind bekommen, muß man dem einen Fünfer und jenem einen Dreier stecken; einer, so ein Denunziantenkerl, hat mir sogar einen Zehner herausgepreßt. Alles zusammen macht wieder einen Hunderter und der schmerzt mehr als der erste; denn er geht stückweise weg, jedesmal muß man den Beutel ziehen und zahlen, das macht jedesmal neuen Ärger. Ich will auch nicht leugnen — nachher hat mich die ganze Sache ein wenig verdrossen; denn ehe ich mir