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Menorah · 1929-11-01 · Heft 11-12 (November 1929) · p. Seite 580

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
7 (1929)
Issue
Heft 11-12 (November 1929)
Article
Jüdische Bevölkerungspolitik
Date
1929-11-01
Page
Seite 580 (sequence 13)
Language
German
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580 MENORAH einrichten, eine Forderung, die ich schon vor Jahren erhoben habe. Daß sich das Interesse für die Statistik in den jüdischen Gemeinden erfreulicherweise regt, beweist die Gemeinde Frankfurt am Main, in welcher seit einiger Zeit im Gemeindeblatt die Daten der jüdischen Bevölkerungsbewegung, der Geburten, der Sterbefälle und Verehelichungen an der Hand der vom statistischen Amt gelieferten Zahlen veröffentlicht werden. Praktisch sollen die Gemeinden in der Weise vorgehen, daß sie Ausschüsse für Bevölkerungspolitik einrichten in Form von Arbeitsgemeinschaften, gebildet aus Mitgliedern der Gemeindeverwaltung, Vertretern der in Betracht kommenden Vereinigungen, wobei vor allem die Jugendverbände nicht vergessen werden dürfen und auch von einzelnen Persönlichkeiten, von welchen eine Förderung der bevölkerungspolitischen Aufgaben erwartet werden darf. Diese Ausschüsse werden ihre Arbeit damit beginnen, daß sie gleichsam ein Inventar aufnehmen, feststellen, wie örtlich die Verhältnisse gelagert sind und aus dem Programm diejenigen Punkte in Angriff nehmen, die am dringlichsten sind. Nochmals sei es nachdrücklich betont, daß es nicht genügt, die Aufgabe allein mit Geldmitteln meistern, die ganze Frage ausschließlich als eine finanzielle ansehen zu wollen. Ebenso notwendig ist es, mit geistigen Mitteln die notwendige Einstellung und Umstellung bei unseren Glaubensgenossen in die Wege zu leiten. Das kann geschehen durch Herausgabe von Schriften und Flugblättern, durch Veranstaltung von Versammlungen und Vorträgen usw., in welchen das Gebiet der Bevölkerungspolitik behandelt wird. In nachahmenswerterweise hat hier der Frankfurter Ausschuß für Bevölkerungspolitik gearbeitet. Als er vor einigen Jahren ins Leben trat, beschloß er, jeder jüdischen Mutter in Frankfurt bei der Geburt eines Kindes ein Glückwunschschreiben und ein Medaillon zu senden, außerdem durch eine Dame des Ausschusses einen Besuch machen zu lassen. Bei der Geburt eines zweiten Kindes wurde aus den Mitteln einer Stiftung ein Geldgeschenk von 50 Mark überreicht. Wir schätzen die erstere nichtgeldliche Tätigkeit des Ausschusses höher wie die Gewährung der finanziellen Beihilfe, denn schon durch das Glückwunschsohreiben und den Besuch wurde den Eltern die Überzeugung, daß die jüdische Allgemeinheit, die jüdische Gemeinde Anteil daran nimmt, daß ihnen ein Kind geboren wurde, und daß sie dieses Ereignis freudig begrüßt; dies ist auch erfreulicherweise die Auffassung bei den Empfängern gewesen.

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