Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 7 (1929)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1929)
- Article
- Ein moderner Tempel in Amsterdam
- Date
- 1929-11-01
- Page
- Seite 565 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2912821-2912891-2912899-2924380--08417-2924536- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
EIN MODERNER TEMPEL IN AMSTERDAM 565 bewerben in Antwerpen und in Iiietzing die Juroren diesen Standpunkt eingenommen, dann wäre dort das Projekt von Josef Frank, bier das von Hugo (Jorge von selbst an erste Stelle gerückt und auch verwirklicht worden. Die vier Wiener Entwürfe, die wir bei dieser Gelegenheit abbilden, zeigen den Formenwillen unserer Zeit, bemüht um den neuen Tempeltyp, am Werke. Alle verfolgen die nämliche Aufgabe, alle halten sich an dieselben klaren Grundsätze der modernen Bauweise, alle wollen nicht mehr sein als Bausteine für das ideale Haus der Zukunft, das ja, wie im Bereiche des Religiösen die Dinge liegen, nicht von heute auf morgen vollkommen werden kann, sondern seine Zeit braucht, bis die gesetzmäßige Vernunft der Architektur die Stimmung unseres Glaubens wieder ganz ergreift, um ihm mit dem lebendigen Gehäuse auch das rhythmische Sinnbild zu geben. Die genannten Wiener Entwürfe haben im Grunde eine gemeinsame Haltung. Trotzdem zeigen sie die moderne Form in reicher Bewegung. Besser als alle geharnischten Worte strafen ihre Bilder die Behauptung Lügen, die, von bösem Willen oder Unverstand in Umlauf gesetzt, uns weismachen möchte, daß diese Form monoton sei, unfähig zu schöner Entfaltung. Gewiß, sie ist streng, aber sie ist das infolge ihrer räumlichen und moralischen Besinnung, also aus gut baumeisterlichen Gründen. Und innerhalb dieser genieinsamen Grenzen, gezogen von Sach- und Selbstbeherrschung, wird sowohl das sehr Schlichte, wie auch das bescheiden und fein Geschmückte, das Ruhende und das Bewegliche, Vernunft und Empfindung möglich. Nur das Fahrlässige nicht und nicht die mit fremdem, vorgetäuschtem Prunk verkleidete Banalität — der Mangel an reiner, baueigener Form. Brauchte man dann noch ein Zeugnis für die Fülle von Gestaltungsmöglichkeit innerhalb der modernen Maximen, die neue Synagoge in Amsterdam wird es, für jedermann einleuchtend, geben, besonders wenn man ihr Bild, wie es hier geschieht, neben die Bilder der Entwürfe von Wiener Künstlerhänden hinstellt. Zwar, beim ersten Anblick schlägt der Kontrast ins Gesicht. Und doch kommt dieses Werk wie jene Projekte aus der gleichen Auffassung der Sache und macht gemeinsam mit ihnen Front gegen den eitlen Unfug von gestern. Vorbildlich ist die aus dem Grundriß aufscheinende Anlage mit dem Memor in der Mitte. Denn sie entspricht sowohl der Tradition wie auch der noch heute fortlaufenden Funktion des Tempels oder wenigstens der einen seiner zwei Funktionen. Auch heute ist die Thora der geistige Mittelpunkt der Lehre und des Dienstes. Dieser