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Menorah · 1929-11-01 · Heft 11-12 (November 1929) · p. Seite 556

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
7 (1929)
Issue
Heft 11-12 (November 1929)
Article
Glossen zur jüdische Zeitgeschichte
Date
1929-11-01
Page
Seite 556 (sequence 2)
Language
German
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556 MENORAH für den Frieden zwischen den anglikanischen Völkern zu benützen, da ein Krieg Englands mit den Vereinigten Staaten die Zerstörung der Zivilisation zur Folge haben könnte, jedenfalls aber die vollständige Vernichtung der Judenheit. Denn diese beiden Reiche umfassen heute die weitaus größte Zahl bewußter, hilfsbereiter und hilfsfähiger Juden, deren Lahmlegung jede Unterstützung der europäischen Judenheit behindern müßte, die im letzten Weltkriege, besonders in ihren östlichen Siedlungen durch die amerikanische Hilfe vor der vollständigen Vernichtung geschützt wurde. Und ein Krieg Englands gegen Amerika würde den aller europäischen Reiche untereinander nach sich ziehen. Der Artikel wurde ins Englische übertragen und viel beachtet. Die Gebete wurden erhört. Gebete? Zu unserer Zeil! Der Premier des britischen Imperiums fährt von London nach Washington, damit kein Mißverständnis, keine Frage diplomatischer Etikette absichtslos, und keine Organisation der Kriegsgewinner bösen Willens den Frieden störe. Und der englische Arbeiterführer sagt in seiner Bolschaft an das amerikanische Volk: ..Ich vereinige mein Gebet mit dem euren." In solcher Zeit ist es auch gelegen, von Jerusalem zu sprechen, der Friedenssladt-Ir schalom! In London wurde von Christen an dem Gedanken des Judenstaates geschmiedet, lange bevor Herzl das Licht der Welt erblickt hatte. Lord Shaftesbury schrieb im Jahre 1838 von seinem Plan, das alte Jerusalem Wieder aufzubauen. Er schreibt: „Die alle Stadt des von Gott erwählten Volkes soll wieder einen Platz unter den Völkern einnehmen." — ,,Die Übereinstimmung von jüdischer Rasse und jüdischem Geist dauert ungeschmälert bis heute an, doch die große Erneuerung kann nur im Heiligen Lande vor sich gehen." Ein paar Jahre später setzten zwei Engländer, Edward Cazalet und Lawrence Oliphant die Agitation Lord Shaflesburys fort. Lawrence, der mit indischen Staatsangelegenheiten zu tun hatte, reiste 1879 und 1882 nach dem Orient und versuchte seinen Plan, Palästina mit Juden zu besiedeln, in Konstantinopel zu fördern. Di'» ..Times" hat in ihrer Nummer vom 17. August 184ft dem Gedanken des Judenstaates einen Artikel gewidmet. Aber schon sechs Jahre früher hatte der „Globe" geschrieben, daß man die Talsache der jüdischen Rückwanderung nach Palästina nicht benutzen dürfe, um ihre Rechte als Staatsbürger anderer Länder zu verkümmern. Und lange vorher, im Jahre 1800, schrieb Thomas Witherby, daß die Vorurteile gegen die Juden zwar abnehmen, aber noch immer stark waren. Von ihm stammt auch der Salz: ..S c h 1 e c h l e .1 u d e n w ü rden s c h 1 e c ht v Bürger sein, gute Jude n d ag o g c n gute Bürge r." Er prophezeite die Rückkehr der Juden in ihr Land, die wahrscheinlich von den protestantischen Mächten bewerkstelligt werden wird. Die zionistischen Romane Benjamin Disraelis (Lord Beaconsficld) sind bekannt genug, auch der Roman von Georges Elliot ,.Daniel Dcronda". Lord Balfour, Sir Wyndham Deedes, Wegdewood und andere sind Nachfahren jener christlichen Zionislen und Männer der Bibel. Sie achten und ehren das Judentum. Der Friedenswille der Juden ist bekannt, Der prophetischen Verheißung folgend, sind in vielen Staaten überkonfessionelle Arbeitsgemeinschaften im Entstehen, so auch in Deutschland, wo Dr. Leo Bäck, Vorsitzender des Deutschen Rabbinerverbandes, die Judenheit würdig vertreten wird. Um so mehr muß der englische Premier, der den Weltfrieden sichern will, auch den Weg linden, die Judenmorde in Palästina abzustellen. In Jerusalem, heilig dem Juden, Christen und Moslem, muß vor allem Gottesfrieden herrschen. Schon Herzl wollte Jerusalem nicht für die Juden gewinnen, es sollte seiner immanenten Konfliktstoffe wegen internationalisiert werden. Ohne den Ergebnissen der jetzt in Palästina amtierenden Untersuchungskommission vorzugreifen, kann schon jetzt festgestellt wrerden, daß ein gut Teil der Verantwortung an den Unruhen einzelne Beamte der Palästinaregierung tragen. (Schluß siehe Seite 637.)

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