Mannheim
Compact Memory

Menorah · 1929-11-01 · Heft 11-12 (November 1929) · p. Seite 554

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
7 (1929)
Issue
Heft 11-12 (November 1929)
Article
Die Gesetze Palästinas
Date
1929-11-01
Page
Seite 554 (sequence 12)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2912821-2912891-2912899-2924373--08396-2924525
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

554 MENÜ RAH schuft nicht nach den religiösen, sondern nach den Zivilgesetzen vorgehe. Auch das Gesetz über die Schiedsgerichte und die Erzwingung der Durchführung ihrer Entscheidungen hat besondere Bedeutung für die Juden. Das türkische Gesetz enthielt allerlei sonderbare Bestimmungen, so daß schon damals die Juden ihre Zivilstreitigkeiten sowohl in den Dörfern als auch in den Städten meist bei ihren eigenen Schiedsgerichten (Mischpath Schalom) ordneten. Diese „Friedenssenate" bestehen aus Schiedsrichtern, von denen eine ständige Liste aufliegt. Vor dem Kriege kam es so gut wie nie vor, daß ein Streit zwischen Juden vor ein staatliches Gericht gebracht wurde, und damals wurde den Entscheidungen des Mischpath Schalom unbedingt Folge geleistet. Seit unter der britischen Verwaltung jüdische Richter in hebräischer Sprache amtieren, kommen auch viele Fälle vor die öiTentlichen Gerichte, aber das Friedensgericht ist noch immer sehr beliebt; und eine Regierungsverordnung sorgt dafür, daß seine Entscheidungen respektiert werden, insoweit es ordnungsgemäß gewählt wurde und vorgegangen ist. Außerhalb Palästinas glaubt man manchmal, daß ein jüdisches Gesetz im Begriff ist, im Lande eingeführt zu werden. Das ist nicht der Fall. In diesen Friedensgerich teil haben aber die Juden Gelegenheit, ihre eigenen Geschäfte entsprechend ihrer Überlieferung zu regein, wie sie seit zweitausend Jahren besteht, und sie den neuen Umständen anzupassen. Palästina, das alt-neue Land, bietet ein reiches Feld für eine Verbindung des Alten mit dem Neuen sowohl auf sozialem wie auf manchem andern Gebiete, und der palästinensische Kodex ist schon heute eine merkwürdige Verbindung von Tradition und Neuschöpfung. Aus dem Englischen („The Menorah-Journal" — New York) übertragen von Paula Arnold.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.