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Menorah · 1929-09-01 · Heft 9-10 (September 1929) · p. Seite 530

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
7 (1929)
Issue
Heft 9-10 (September 1929)
Article
[Musiknotizen]
Date
1929-09-01
Page
Seite 530 (sequence 2)
Language
German
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530 MENORAH sollen niemanden anklagen, aber die Organisation eines Kunstlehens kann nicht richtig sein, wo man mittels eines beziehungsreichen Onkels auch bei mittleren Fähigkeiten immerhin einige Beachtung erregen kann, wo aber der junge Jude aus Krakau, der diese Beziehungen nicht hat, mag er spielen wie ein Gott, schon deshalb unbemerkt bleiben muß, weil es eines besonderen Zufalls bedarf, um ihn überhaupt zu hören. DER KONGRESS BRINGT NICHT NUR Debatten, Wahlen, stolze Berichle von errungenen Erfolgen ebenso wie von Blütenträumen, die leider alles eher denn reiften, der Kongreß bringt noch etwas, wohl kaum Erwartetes — Musik. Und hier, bei der neuen jüdischen Musik, finden sich — trotz aller Dissonanzen, die man ihr vorwirft — die sonst ausei minderst l ebendsten Gruppen in schönster Harmonie vereint. Am 28. Juli gibt es eine Matinee zur Eröffnung der Ausstellung und am 17. August ein Konzert in einem Züricher Privathaus, dem gegen 100 Personen beiwohnen. Unter den Zuhörern sind Namen wie Sokolow. Buber. Ussischkin. Die Ausführenden: Frau Irma und Herr Alexander Schaichet und unser Joachim Stutschewsky. der Unermüdliche, wo immer es jüdische Musik zu propagieren gilt. Überdies singt die bekannte Genfer Sängerin Slata Chaikin im Rundfunk einige hebräische Lieder. All das spontan, ohne lange Vorbereitungen ins Werk gesetzt, fast improvisiert, und doch prächtig gelungen. Warum aber wird, wo doch so viel Kraft und Wille zur Verfügung ist, nicht endlich die oft diskutierte Idee eines jüdischen Musikfestes in die Tat umgesetzt? Gerade der immer wiederkehrende Kongreß wäre doch eine Gelegenheil par excellence. wo so ein Unternehmen verwirklicht werden und zweifellos mit größtem moralischen und äußeren Erfolg verlaufen könnte. Und es täte dem hohen Wert der Idee nicht den geringsten Abbruch, wenn sie mit relativ bescheidenen Mitteln zur Ausführung gebracht würde. PALÄSTINA UND DIE MUSIK EIN scheinbar fiktives Thema in den jetzigen schmerzlichen Tagen, und doch soll es berührt werden. Ein Bekannter stellt mir aus seiner intensiven Korrespondenz ein paar interessante Neuigkeiten zur Verfügung: in New York wurde ein jüdisches Orchester gegründet, in Breslau unter Leitung des Kapellmeisters Hans Krieg ein Chor zur Pflege jüdischer Musik, der bereits \'.\Q Mitglieder umfaßt. ..Und dann", setzt mein Gewährsmann fort, „hätte ich bis von kurzem noch einiges zu melden gewußt: nämlich in Tel-Awiw wurde Anfang August eine internationale Gesellschaft zur Förderung jüdischer Musik mit allen dort bekannten Musiknamen an der Spitze ins Leben gerufen. Es sollte ein Kontakt mit allen jüdischen und auch nicht jüdischen Komponisten und Musikgesellschaften unserer- Zeil eingeleitet, jüdische Musik auch ediert werden, der heule im Zustande der Stagnation befindliche jüdische Musikverlag ...hival" reorganisiert, sein Sitz nach Palästina verlegt und zu neuer Tätigkeil erweckt werden. (Der bekannte Komponist. S. Rosowsky war als Leiter ausersehen.) Alle diese Pläne waren der Verwirklichung bereits sehr nahe und weil über die Vorbereitungen hinaus gediehen. Nun sind sie wohl für längere Zeit illusorisch und die Nachrichten darüber, die vor einigen Wochen für Ihre Leser noch so wichtig und interessant gewesen wären, heute so gut wie wertlos." Soweit mein Gewährsmann. Ich aber schließe mich ihm nicht an. und linde, die Nachrichten sind im schmerzlichen Zusammenhang von heute noch wichtiger und interessanter als vordem. Denn, mußte ihre reale Basis auch für den Moment konkreteren Sorgen weichen, so geben sie doch — gerade einer rein künstlerisch-kulturellen Sphäre entstammend — mit vielen lausend anderen Zeugnis von dem Lebenswillen und der Kraft einer Idee, die sich durch noch so große Schwierigkeilen — und seien sie selbst blutig — nicht besiegen lassen wird. Rudolf Reti.

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