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Menorah · 1929-09-01 · Heft 9-10 (September 1929) · p. 529

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
7 (1929)
Issue
Heft 9-10 (September 1929)
Article
[Musiknotizen]
Date
1929-09-01
Page
529 (sequence 1)
Language
German
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» i^JS^/rn) ^^^^Iw^'k'^ #S ^^^äfeir; ^Cwal^ rl^C^P'f < ^^^KÄ^Site WIK K1NK KÜNSTLKRKARRIKRK ÄFF zwar stille, unblutige, aber nicht weniger wirksame Art sabotiert werden kann, sei an einem Beispiel gezeigt, das sicher kein Einzelfall ist und ebenso wie in Wien, wo es sich ereignete, in Berlin, Paris oder Frankfurt vorkommen könnte. - Tri fit mich da eines Tages eine bekannte Dame auf der Straße und bittet mich dringlichst, mit ihr in das Konzerl eines jungen, hier noch unbekannten, ihr entfernt verwandten Pianisten mitzukommen. Daß ich mich gegen diese unerwartete Drohung erst heftig sträube, ist selbstverständlich, aber — wie Frauen im allgemeinen — behält schließlich auch diese hier recht und nach einer halben Stunde sitze ich im minieren Konzerthaussaal und höre Bach, Schumann, Chopin und Liszt. Also das gewöhnliche Programm und auch der Name dessen, der es exekutiert, klingt in keiner Weise irgendwie sensationell, er heißt Karol Klein und ist. wie ich höre, ein junger Jude aus Krakau. Um es kurz zu machen: so widerstrebend ich hergekommen war, so gerne, ja freudig erstaunt, folge ich bald seinem Vortrag. Das ist nicht der übliche Konzerttiger, der mit ein paar gut gedrillten Stücken dank einer ins Ungeahnte foiigesehrillenen Unterrichtstechnik ein Scheinkünsllertum vortäuscht, das nur deshalb täglich an Erfolg verliert, weil es heute bereits in viel zu vielen Dutzenden von Exemplaren vorhanden ist. Es ist das monumentale, nicht nachzuahmende Spiel eines Großen im Reiche der Tasten, wie wir es aus den reproduzierenden Leistungen Busonis. D'Alberls, Rosen- Ihals und der anderen Führenden kennen. Technik, Gestaltung. Gefühl untrennbare Einheit geworden, keines vor der allein gülligen Realität des sich abrollenden Kunstwerkes selbständig bemerkbar. Daß ich das alles hier erzähle, hat aber noch folgenden Grund. Ich snh mich nämlich nach einiger Zeil im Saale um, wollte erfahren, wie die Sache auf andere wirkte. Zu meinem Erstaunen erblickte ich aber auch nicht einen einzigen der bekannten kritischen oder sonst im Musikleben unserer Stadt irgendwie markanten Köpfe. Der einzige mit musikalischer Visitenkarle war höchstens der Inhaber der veranstaltenden Konzcrldirektion übrigens einer der aktivsten Wiens der auf wenig»? Minuten gekommen und mit Recht darauf slolz war. daß es ihm gelungen sei. in einen Saal, der 500 Menschen faßte, etwa 200 Freikartenbesilzer zu trommeln, weil ein weniger tätiger Veranstalter es höchstens auf SO gebracht hätte, überdies war er selbst ehrlich und in schönster Art verblüfft, als er ein Stück milanhörte. Deshalb versprach er auch durch seine Beziehungen durchzusetzen, daß einige Kritiker trotz ihrer Abwesenheit referieren würden. So las ich denn auch ein paar Tage später, „daß dem Pianisten K. gute Technik und temperamentvoller Vortrag nachzurühmen seien..." und was st) ein paar belanglose Phrasen mehr sind, die ja nicht anders lauten konnten, weil diejenigen, die sie schrieben, gar nicht im Konzert waren. Dem Künstler allerdings, falls er so naiv sein sollte, sie irgendwie verwerten zu wollen, müßten sie viel mehr schaden als nichts, weil sie als sicherer Beweis von Mittelmäßigkeit angerechnet würden. Und daß gerade dieser junge Mensch, eben als wirklicher Künstler, tatsächlich so naiv sein könnte, ist ihm schon zuzutrauen. Als ich mich in einer Pause ins Künsllerzimmer begab, um ihm die Hand zu drücken und anzudeuten, wie gern ich etwas für ihn täte, wurde er ganz verlegen und stieß rasch hervor: ..Aber bitte, nur. wenn Sie überzeugt sind, daß mein Spiel es auch wirklich wert ist." Das war seine erst»1 Sorge. Von da ab betrachtete ich mich als seinen Freund und ich weiß, er wird seinen Weg macheu. früher oder später, aber ich weiß auch, daß er es nicht leicht haben wird. Denn diese Zeilen

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