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Menorah · 1929-09-01 · Heft 9-10 (September 1929) · p. Seite 508

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
7 (1929)
Issue
Heft 9-10 (September 1929)
Article
Die Juden in der romantischen Musik
Date
1929-09-01
Page
Seite 508 (sequence 10)
Language
German
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508 MENORAH und kulturellen Zeitgeschmack! Kalchas und Agamemnon reden ein auf Menelaus, er soll sich ganz dem Valerlande opfern: und plötzlich schlägt das Terzett aus „Wilhelm Teil" an, die falsche Vaterlandsverhimmelung parodierend. Orpheus wird durch die Arie: „Ach, ich habe sie verloren!'* aus Glucks „Orpheus und Eurydikc" eingeführt:. eine künstlerische Parodie. Ähnlich im „Blaubart" auf „Robert Je diable". Aller künstlerische politische, höfische Zeitgeschmack wird von dem hämischen Flagellantismus dieses feinen Spötters persifliert. Er macht nirgends Halt. Mit mephistophelischem Grinsen zerrt er an allem Götzentuni des Tages und bringt es zu Fall. Man denke auch an die „Herzogin von Gerolstein" und an die zynische Bedeutung des grotesken Verhältnisses von Großherzogin und Rekrut. Man denke an die „Verlobung bei der Laterne", an das „Pariser Leben" und die feinen Zynismen auf die Erotik. Man denke endlich an Hofmanns Erzählungen", den Typus der neueren Komischen Oper, die uns auch musikalisch noch einmal das Originalste Offenbachs schenkt. Ofl'enbach ist der Meister des Can can. Mehr will er musikalisch nicht sein. Vieles ist als Travestie nicht verstanden. Man hat es als unoriginal empfunden. In seinen entscheidenden Partien sind seine Melodien eigen. Ja, in seinem besten Werken stehen wir vor einer Fülle der Erfindungen, die uns die jahrzehntelange Bewegung der Gemüter begreiflich macht. Abgesehen von geringen formalen Einflüssen, die auf Auber und Adam zurückgeführt werden können, ist die melodische Fülle ungemein reich. Hier ließe sich auch das Problem der Trivialität — denn Trivialität ist ein Problem - untersuchen. OfTenbachs Melodien sind meist „trivial". Woher sie trotzdem die suggestive Wirkung haben, muß man sich fragen. Sollten wir doch am Ende die Trivialität zu — trivial einschätzen? Alles in allem: -OlVenbach ist ein Künstler, ein Musiker, ein entscheidender Punkt. Er verstand es, burleske Stolle burlesk zu komponieren. Wer versteht das heute noch? Etwa Richard Strauß und die ganze Meistersinger-Nachfolge? Vielleicht. Strauß hat eine zynische Ader. Aber unter den anderen sind nicht viel. Die Operelte ist entartet, sie entspricht nicht mehr ihrem klassischen Sinn: eine kleine Oper zu sein. Deshalb interessiert sie in diesem Zusammenhang nicht, Ottenbach allein hat die Bedeutung eines musikalischen Aristophancs Wir werden ihn wieder einmal zu schätzen haben.

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