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Menorah · 1929-09-01 · Heft 9-10 (September 1929) · p. Seite 504

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
7 (1929)
Issue
Heft 9-10 (September 1929)
Article
Die Juden in der romantischen Musik
Date
1929-09-01
Page
Seite 504 (sequence 6)
Language
German
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504 M E N O R A H Erscheinung. Reich, problematisch, ungieichwertig, fragmentarisch. Alles Große, Starre zerfällt ins Kleine, Bewegliche. Das Lied ist seine liebste Form. Er schafft Volks- und Kunstlieder. Er schallt die Genre- Sinfonie, in gedrängter, intimer Form. Er ist Märchenromantiker, malt Bilder aus dem Kinder leben, malt Lieder ohne Worte, sehreibt Ouvertüren und Konzerte. Er bildet Haydns Oratorien auf der Linie weiter. Er hinterläßt ein Opernfragment. Überall eine unendliche Reiehheit der Bewegung. Nirgends die große (dramatische) Form. Im Oratorium verbindet sich das Lyrische mit dem Dramatischen. Es ist so ein jüdisches Moment par exellenee. Wie die Juden im Drama erst in jüngerer Zeit hervorgetreten sind, seit es lyrisch wurde, so ist gerade das Oratorium mit seiner lyrischdramatischen Form beinahe die für sie gegebenste. Es ist damit auch nicht ohne Zusammenhang, daß Mabler die Vokalsinfonie geschaffen hat. Es leitet das alles zurück auf den ausgesprochenen Lyrismus des .luden und seine geringe Inklination für das Dramatische. Bei Mendelssohn kommen wir — in psychologicis — noch auf ein anderes Problem zu sprechen: auf S e n l i in e n t a 1 i t ä t und T r i v i a 1 i t ä t. Von Meyerbeer bis Korngold — von den anderem Kulturgcbielen hier abgesehen — hören wir von aller Schulästhelik den Vorwurf der Sentimentalität und Trivialität, die man aus der jüdischen Musik wahrnehmen könne. Ja, man definiert beides als das spezifisch .Jüdische. Damit ist das Judentum für die Musik abgetan. Auch hier liegt die Wurzel der Lösung in der Musik selbst. Musik als Wesen, als ens realissimum überhaupt, liegt jenseits aller ästhetischen Wertung. Sie ist lediglich Manifestation des kosmischen Urwillens. steht jenseits von Gut und Böse. Sentimentalität und Trivialität sind unmittelbare Ausflüsse der primären lyrischen Musikalität. Aus Eros, Freude, Bejahung geboren, fällt für sie jedes Gesetz der objektiven Wertung von vornherein weg. Ihr Wert liegt in ihnen selbst: er kann nicht erst durch Maß an sie herangetragen werden. Da gibt es kein Hirn, sondern nur ein Herz. Täuschen wir uns nicht: Sentimentalität ist reine Gefühlssphäre und Trivialität liegt dicht neben dem Erhabenen. So verstehen wir den Vorwurf der Sentimentalität und Trivialität in seiner Tiefe ebenso entgegengesetzt wie alles Vorhergehende: aus dem L y r i s m u s des Juden. Mendelssohn ist dafür das sprechendste Beispiel, weil zugleich auch das erste in der deutschen Musik. Der andere Vorwurf, er sei kühler Formalist und Klassizist gewesen durch seine Liebe zu Italien und seine Zuneigung zu Goethe, trifft nur ein

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