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Menorah · 1929-09-01 · Heft 9-10 (September 1929) · p. Seite 500

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
7 (1929)
Issue
Heft 9-10 (September 1929)
Article
Die Juden in der romantischen Musik
Date
1929-09-01
Page
Seite 500 (sequence 2)
Language
German
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500 M E N O R A II Grundgefühls aus), so seilen wir auch die Auswirkung in der Philosophie, in der Politik, dm unmittelbaren Leben. Lyrismus (als stärkster Ausdruck des Subjektivismus) ist aber das, was dem Urphänomen des Lebens am nächsten ist: dem Willen, der Musik. Das was Schopenhauer in seiner „Metaphysik der Musik'" erstmals ausgesprochen hat. gibt uns den Schlüssel zum Verständnis der jüdischen Rassenpsyche: ,,Die Musik ist nämlich eine so unmittelbare Objeklivation und Abbild des ganzen Willens, wie die Welt selbst es ist. ja, wie die Ideen es sind, deren vervielfältigte Erscheinung die Welt der einzelnen Dinge ausmacht. Die Musik ist also keineswegs, gleich den anderen Künsten, das Abbild der Ideen, sondern Abbild des Willens .s e 1 b s t, dessen Objekt auch die Ideen sind/' Hier stehen wir vor dem Kern der schicksalshaften Notwendigkeit des jüdischen Volkes. Seine Religion, seine ethische Sendung ist geboren aus der urmenschlichen Bewegung, aus dem (leiste der Musik. Dieser Geist muß sich in allen seinen Taten und Handlungen auswirken. Daher seine Emotionen, seine nnheimliclu1 Intensität. Zeit. Wille. Bewegung. Musik: das ist in seiner letzten metaphysischen Struktur alles eins. Der Jude ist der unbewußte Träger einer immanenten Musikalität. M u s i ker ist er seit seiner Freiheit auf dem Wege zu werden. Ihn deshalb nicht zu schätzen, hieße das Verwirklichte über das Mögliche stellen. Aber seit uns Nietzsche gelehrt hat, daß das Persönlichkeilsproblem bei dem Ermöglicher und nicht bei dem Verwirklicher liegt, seil dort wissen wir, daß das Judentum nicht nur eine Vergangenheit hat, sondern auch eine Zukunft. Die jüdische Musik ist eine lyrische. Sie wächst aus der unmittelbaren Stimmung, aus dem Augenblickserlebnis, aus der Zuständlichkeit. Deshalb hat sie so wenig Verhältnis zur gesetzlichen Harmonie. Sie ist Melodie, das heißt, sie steht noch jenseits der objektiven Wertung. Harmonie (Verräumlichung) ist Objektivation des rein dynamischen Flusses. Melodie ist das dem zeitlichen Urphänomen unmittelbar Emanierende, die Prävalenz des rein Zeitlichen gegenüber dem Räumlichen. In der Melodie entscheidet das Gefühl, in der Harmonie das Gesetz. 'Musik als Urphänomen ist Gefühl, Musik als Form ist Gesetz. Jetzt verstehen wir, warum man dem Juden — und nicht nur in der Musik — immer den Mangel an Form vorwarf. Form ist Verräumlichung, ist Objektivation des Inhalts. Aber der Jude hat nur ein geringes Verhältnis zum Raum. Er lebt in der Zeit. Demgemäß muß er oft im Fragment hängenbleiben.

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