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Menorah · 1929-09-01 · Heft 9-10 (September 1929) · p. Seite 498

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
7 (1929)
Issue
Heft 9-10 (September 1929)
Article
Georg Merkel
Date
1929-09-01
Page
Seite 498 (sequence 6)
Language
German
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M ENOR A II geht rein seinen eigenen Weg. I*2r schöpft nur aus sieh, aus dem dunklen Drang seines, unseres Blutes. Und eben darum ist seine Kunst, in des Wortes ursächlichem Sinne, jüdisch. Wir hahcn allen Grund, diesen Besitz mit Genugtuung zu buchen. Nicht auch mit Stolz. Denn dazu hätten wir erst Anlaß, wenn wir auch unsere Pflicht gegenüber diesem einzigartigen Künstler erfüllt hätten, nicht durch Verständnis allein oder gar Bewunderung, sondern durch tatkräftige Förderung seines Werkes, auf die es jeden Anspruch hol. Hier geht es nicht bloß um die Sa<-he eines Meisters, hier geht es noch mehr um die allgemeine Sache unserer Kunst. y^lax Eisler JVloses Jy[ende!ssöhn Die Gestalt Moses Mendelssohns, dessen Gehurlstag sich in diesen Tagen zum 200. Male jährte, ist zum Markslein der Entwicklungsgeschichte des modernen Judentums geworden. Um seine Persönlichkeit und seinen Kreis recht verstehen zu können, bedarf es zuerst eines Einblicks in die menschlichen Gegebenheiten des IS. Jahrhunderts. Die jüdische Situation ist am ehesten aus dem Bestreben zu verstehen, vom entrechteten Schacherer und Kleinhändler zum produktiven Mitglied — Handwerker oder Produzent — aufzusteigen. Dieser Aufstieg entsprach jedoch im wesentlichsten auch der ökonomischpolitischen Entwicklung, insbesondere der des preußischen Staates. Hand in Hand mit dem wirtschaftlichen Aufstieg ging der Aufstieg des Geisligen im Judentum jener Zeit. Insbesondere die drakonischen Maßnahmen, mit denen die Gemeindevorsteher und Rabbiner gegen jede Neuerung auftraten, lassen am ehesten erkennen. wie stark die zu bekämpfenden Wünsche gewesen sein müssen. Eine natürliche Folge dieses Kampfes war es, wenn später fortschrittliche Geister sich außerhalb des offiziellen Judentums und gelegentlich überhaupt außerhalb des Judentums betätigten. Dieser Zug entspricht der allgemeinen Zeilstrümung, die immer stärker vom Klerikalismus abkam, und in immer erneutem Ringen in den außerreligiösen idealen Gütern Befriedigung zu finden versuchte. Die Gestalt Lessings hebt man am besten aus diesem Kampfe als einen der Bahnbrecher hervor, um damit gleichzeitig die Fäden zu Mendelssohn zu weisen. Es ist bezeichnend für die politischen Hintergründe dieser literarischen Entwicklung, <laß die antiklerikale Haltung gleichzeitig auch eine antifeudale war. Ein Kampf des Bürgertums um eine eigene und gleichberechtigte Kullu r. Wenn Moses Mendelssohn an all diesen Kämpfen und Entwicklungen einen -wesentlichen Anteil hat, so war er selber doch weder eine Kampfnatur, noch ein bewußter und scharf pointierter Wortführer. Eine weiche, leicht weiblich bedingte Familieneigenlümlichkeit. wie wir sie auch von seinen Nachkommen kennen, ließen ihn in allen Tagesfragen eine vermittelnde Hallung einnehmen. Eben um dieser persönlichen Eigenschaften willen, gelang es ihm, als einer der ersten seines Kreises, öffentliche Anerkennung als Mensch und Denker zu finden. Das durch ihn geschaffene Prestige kam dem Judentum und den Juden seiner Zeit in ungeahnter Weise zugute, und bis auf den heuligen Tag sind wir Nutznießer jener vorsichtig vermittelnden Vornehmheit, die Gegner für sich einnehmen mußte, und die den tiefen Abgrund zwischen Juden und Niehtjuden überbrücken half. Die ehrliche Überzeugung, mit der Moses Mendelssohn seinem Glauben und seiner Gemeinschaft Geltung verschaffen konnte, war einer der Grundpfeiler, auf der jene politischen Erfolge erzielt werden konnten, zu denen andere Zeilen und andere Menschen nötig waren. Der Sohn des Thoraschreibers aus Dessau, umgeben von einer Schar hochgebildeter und feinsinniger Männer freier und vornehmer Gesinnung, steht dort am Wendepunkt der jüdischen Geschichte, wo das Ghetto zu Ende ging, und die Auseinandersetzung mit der Umwell in anderer, wenn auch nicht minder gefährlicher Form begann. Erich Toefilitz

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