Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 7 (1929)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1929)
- Article
- Brandeis der Zionist
- Date
- 1929-09-01
- Page
- Seite 449 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2912821-2912891-2912898-2924097--08186-2924237- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
BRANDEIS DER ZIONIST 449 „Alten" waren gern dabei, Brandeis* Namen wie einen Schild vor sich herzutragen; aber sie wollten von seiner Methode nichts wissen: das ständige Antreiben, die Forderung nach Selbstdisziplin, das Bestehen auf Genauigkeit in jedem Sinne, die strenge Ablehnung jeden Kompromisses war nicht nach ihrem Geschmack. Brandeis wurde durch ein fabelhaftes Gedächtnis in seinem Wirken unterstützt. Daß er auch nie vergaß, was er versprochen hatte, machte ihn denen, die ihm nahestanden, so wert. Brandeis kann Schwäche nicht verstehen und nicht vertragen. Es gibt auch außerhalb Palästinas Leute, bei denen zwei und zwei entweder dreieinhalb oder fünf machen, je nachdem, ob man von Schulden oder von Außenständen spricht, Leute, die die Worte ,,vielleicht'4 und „möglicherweise" beständig im Munde führen, die große Summen zeichnen und harthörig sind, wenn es ans Einlösen geht. Mit solchen Leuten kann er nicht arbeiten. Wenn er eine Sache für gut hält, gibt er mit vollen Händen, ohne daß er erst gemahnt zu werden braucht. Ohne viel große Worte hat er durch den Schreiber dieser Zeilen seit 1914 vierh'Uiiderfünf zig tausend Dollar für palästinensische Zwecke gewidmet. Er verlangt von anderen dasselbe, was er zu tun stets bereit ist. Ebenso streng war er in seiner Auffassung der Verantwortung — sie bedeutet ihm genaues Verständnis für Tatsachen und Ziffern. Er verallgemeinert nie. Jahrelang entging ihm nichts, was über zionistische Dinge geschrieben wurde, er las, analysierte und kommentierte alles. Wenige wissen, wie sehr verhaßt ihm alles ist, was an Kompromisse erinnert. Der verstorbene J. Ii. Schiff war einmal geneigt, sich zionistisch zu betätigen, wenn man nicht von ihm verlangte, daß er sich ausdrücklich als Zionist bekenne. Es wurden Stöße von Briefen geschrieben und gewiegte Juristen zerbrachen sich den Kopf, um eine Formel zu linden, die wie ein zionistisches Bekenntnis aussehen sollte und SchifY doch nicht ,,kompromittieren4' würde. Brandeis aber war hart wie Stein: Schiff sollte den Schekel zahlen und das Basler Programm anerkennen — oder es bleiben lassen. Damit war die Sache erledigt. Ein beabsichtigter Kompromiß war auch der Grund zur Entzweiung mit Weizmann. Weizmann war von vornherein bereit, Nichtzionisten als stimmberechtigt in prinzipiellen Fragen in die Agency aufzunehmen, Brandeis wollte davon nichts hören. ..Ich tue kein kleines Unrecht, um ein großes Recht zu fördern." Das ist seine Lieblingsphrase. Uas Brandeis-Regime erschöpfte sich nicht im Geldsammeln. Aber es war auch hier nach drei Richtungen sehr erfolgreich tätig: es