Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 7 (1929)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1929)
- Article
- Das erste wissenschaftliche Antiquariat des Ostens
- Date
- 1929-07-01
- Page
- Seite 432 (sequence 2)
- Language
- German
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432 MENORA II Posen errichtet wurden und bis zur Wiederaufrichtung des polnischen Reichs bestanden, sei hier nur noch die Musikalienhandlung von Ed. Bote und G. Bock genannt. Alle anderen bedeutenderen Musikalienhandlungen, Verlagsanstallen, Kunst- und Buchhandlungen sind erst in späterer Zeit als selbständige Firmen in Posen entstanden. So u. a. die Buchhandlung von F. D. Mose s, die Anfang der 1860er Jahre von Paul J o 1 o w i c z erworben wurde und von ihm im Oktober 1862 auf seinen Sohn Josef J o 1 o w i c z überging. Der neue Inhaber hatte den Buchhandel bei Dr. Simon, in Firma Calvary & Co., in Berlin erlernt und zu seiner weiteren Ausbildung mehrere Jahre in Zürich und Paris „konditioniert". Im Jahre 1864 bestand er in Posen die damals staatlicherseits noch vorgeschriebene Prüfung, die ihm die „Genehmigung zum selbständigen Betriebe einer Buch- und Kunsthandlung, verbunden mit Antiquariat etc." erwirkte. Gerade diesen schwierigsten Teil des Betriebes aber, das Antiquariat, pflegte Josef Jolowicz mit besonderem Eifer. In rastloser Arbeit eignete er sich die wissenschaftlichen Vorkenntnisse hierzu an und schuf mit ihnen das erste bedeutende w i ssenschaftliche Antiquariat, das auf seinen Spezialgebieten bald zu internationalem Ruf gelangte. Bis zu seinem Tode im Jahre 1907 gab er über 160 seiner wertvollen Kataloge heraus. Über zwei von ihnen berichtete ausführlich der bekannte Bibliologe, Geheimrat Professor Dr. F o c k e, der Direktor der Posner Kaiser-Wilhelm-Bibliothek, auf Grund eines schriftlichen Gutachtens, das, wie Fockc sagt, „einer der besten Sachverständigen auf dem Gebiete der slawischen Literatur" erstattet hatte: „Wie viel Wissen in diesen Katalogen steckt, kann nur der beurteilen, der einige Erfahrung in dieser Materie hat. So viel steht fest: das kann kein anderer Buchhändler in Europa nachmachen, und die beiden Kataloge sind ein wichtiger Beilrag zur polnischen Literaturgeschichte." In ähnlicher Weise würdigte der bekannte Historiker Geheimrat Professor Dr. A. Warschauer in den Historischen Monatsbl. f. d. Prov. Posen (1907, Nr. 6) die Verdienste Jolowiczs. Wie Josef Jolowicz, so gilt auch sein am 20. Juni 1869 geborener Sohn und Geschäftsnachfolger Albert Jolowicz, der demnach jetzt seinen 60. Geburtstag feiert, mit Recht als einer der besten Kenner der slawischen Literatur und Geschichte. Durch Erziehung, Veranlagung und Neigung ist auch er noch ein Vertreter jener alten Antiquariatsinhaber im besten Sinne dieses Wortes: jener wissenskundigen Antiquare, die nicht nur Bücher käuflich erwerben, um sie wTeiter zu veräußern, sondern die sie zunächst wissenschaftlich katalogisieren und bei deren Vertrieb sie die freundschaftlich-sachverständigen Berater ihrer Kunden sind: sowohl der privaten Sammler wie auch der gelehrten Gesellschaften und öffentlichen Bibliotheken. Die Zahl der wissenschaftlichen Kataloge seines Antiquariats ist durch Albert Jolowicz inzwischen auf 186 gestiegen, die sämtlich von den ungewöhnlich großen bibliographischen Kenntnissen des Verfassers und Herausgebers Zeugnis ablegen. Zu seinen ursprünglichen Spezialgebieten — Polonica, Slawica, Judaica, Hebraic a — trat später noch eine Abteilung für slawische Kunst (Kupferstiche) und besonders für altpolnische Kunst hinzu, die gewerblich bisher noch nirgends gepflegt wurde. Ebenso hat er den Vertrieb des neuen polnischen wissenschaftlichen Buches eingerichtet, das in deutschen Bibliotheken bis jetzt nur vereinzelt vertreten war. Ihrem festbegründeten Ruf als hochangesehenes Antiquariat hatte es die Firma zu verdanken, daß ihr u. a. bis zum Weltkrieg die Lieferung der polnischen und kleinrussischen Literatur für die kaiserl. öffentl. Bibliothek in St. Petersburg und die monatliche Erledigung der Bestellungen nach dem „Przewodnik bibliograficzny" übertragen war. Die Firma hatte eben einen gleich guten Klang in Deutschland und Österreich, wie in Polen,