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Menorah · 1929-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1929) · p. Seite 426

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
7 (1929)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1929)
Article
Moses Kisling
Date
1929-07-01
Page
Seite 426 (sequence 2)
Language
German
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426 MENORAH gesetzt, seiner Phantasie und seiner Ausdrucksmitlei derart Herr zu sein, daß er nun genau zu schildern versteht. Malt er jetzt Blumen, Fische oder Landschaften, so tut er es mit der Präzision eines Naturforschers, der sie beschreibt und klassifiziert. Nichts geschieht von ungefähr. Hart und sachlich ist die Zeichnung. Trocken wie der Stil eines wissenschaftlichen Buches, das auf nichts anderes bedacht ist, als darauf, die Wahrheit zu sagen, und Anmut stolz als unfaires Beslechungsmitlel von sich weist. Aber eben diese absichtlich geübte Zurückhaltung und das geduldig-gewissenhafte Eingehen auf jede Einzelheit zeugen beredt von der Liebe zu den behandelten Objekten. Um so beredter, als sie mit einer Farbgebung gepaart sind, die in leuchtenden Tönen und starken Akkorden, allen verständlich und allen vernehmlich, einer tiefen Rührung Ausdruck verleiht. Das glänzende Schwarz, dessen er sich so meisterlich zu bedienen weiß, der ihm eigene Zusammenklang von dunklem Grün und sattem Blau, der Goldschimmer seiner Körper singen in überschwenglichen Tönen, sonst anläßlich solch „banaler" Gegenstände nicht gebräuchlich, von der berauschenden Schönheit alltäglicher Dinge. Während seine meisten Gefährten verlorenen Söhnen glichen, die sich heimtasten, und als sie das Bußgewand welker Ateliertöne anlegten, da zeigte seine strahlende Freude, daß die Wirklichkeit nicht nur Zuflucht für Gekenterte ist, sondern eine liebe Heimat, in der die Sonne lacht, die Flur grünt, in tiefem Walde das Licht spielt, die Blumen duften, die Körper blühen, in der das wahre, blutwarme Leben gedeiht; herrlich trotz allem Kummer, den Menschenseelen bergen und Menschenaugen in wehmütigem Blick verraten. Während also sich die meisten Künstler seiner Umgebung bemühten, das Leben liebzugewinnen, da wirkte er, der Glückliche, der es tatsächlich lieb hatte, tief beglückend und tröstend. Eine Gewähr, daß am Ende des Weges, den sie wählten, nicht notwendigerweise die Enttäuschung harrt. Deswegen ist er auch der Liebling des künstlerischen Paris geworden. Als einige Jahre später Deutschland aus seinen expressionistischen Visionen erwachte und ein neues Verhältnis zur Wirklichkeit zu gewinnen suchte, da war auch dort Kislings Kunst als Anregung von einiger Bedeutung. So ist er, dex anderswoher kam und selbst jenen Weg nicht ging, docli merkwürdigerweise einer der Wegbereiter des modernen Realismus geworden. Wenn nun in letzter Zeit Kislings Bilder meistens statt der ErgritVenheit des Künstlers die Geschicklichkeit und den Geschmack des Virtuosen, der er unzweifelbar ist, zeigen, so sind dabei so mannigfaltige und so allgemein interessante Ursachen im Spiel, daß schon um ihretwillen an dieser Tatsache nicht schweigend vorbeigegangen werden kann. Nicht unschuldig daran ist Paris, dessen heutzutage seltsam komplizierlen Kunslverhältnisse neben der alten Eigenschaft, Werdende anzuspornen, die neuerworbene fatale Tendenz besitzen, Arrivierte zum Stillstand zu bringen. Gewiß aber ist in hohem Maße die allzu leichte Assimilationsfähigkeit des unverwurzelten jüdischen Künstlers mitverantwortlich, der — nur zu oft müssen wir es mitansehen — für das Linsengericht, als Pariser Maler zu gelten, sein erbgeborenes Recht preisgibt, die Welt anders zu sehen als die anderen. Die französische Eleganz, die sie zu erwerben so sehr erpicht sind, ist ohne Zweifel bezaubernd. Um so mehr, als sie bei den Franzosen des tiefsten Ausdrucks fähig ist und nur Verständnislosen als Oberflächlichkeit erscheinen kann. Wo sie aber nicht als Blüte alter Kultur und ganz besonderer Umstände hervorsprießt, sondern von außen her angenommen wird, da bleibt sie auch nur Sache äußeren Gebarens und wirkt als solche veräußerlichend. So stumpfte sich auch natürlicherweise im Kampfe um den wesensfremden Wert die ursprüngliche Lebensfrömmigkeit Kislings ab, die ihn alles Bestehende mit dankbarem Entzücken preisen ließ, darin jenen schlichten Juden seiner polnischen Heimat gleich, die jedes Stückchen Brot und jeden Tropfen Wein segnen. Dem eleganten Weltmann, als der er

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