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Menorah · 1929-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1929) · p. Seite 416

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
7 (1929)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1929)
Article
Juden sollen Bauern werden!
Date
1929-07-01
Page
Seite 416 (sequence 9)
Language
German
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416 MENORAH ..Marsch weg!" brummt der Aufseher. Der Mann hört nicht auf ihn und drängt sich ihm vor die Augen. „Ich muß etwas verdienen!" jammert er. „Meine Familie hungert in der Heimat." „Marsch, du SchuH!" schreit der Aufseher und stößt den Mann so heftig, daß er niederfällt. Wir eilen herbei. Der Aufseher wird ausgeschimpft, und die daneben stehen den Familienväter schreien: „Nehmt, Leute, die Geräte und schlagt diesem Kerl den Kopf ein!" Es entsteht ein Wirbel, die Gruppe Hinterteil" und ihre Helfershelfer wollen ihrem Aufseher zu Hilfe kommen; und plötzlich erscheint Gerbl. „Was gibt es da?" wendet er sich an den Aufseher. „Gaspadjki Gerbl!" ruft ein „Litwak". „Man nimmt .Lapke' und man schreibt Tage ein!" „Was ist das ,Lapke'?" fragt Gerbl. „Das ist Chabar, mein Herr! Dieser Kerl da nimmt Chabar und schreibt Tage ein. Sie verstehen?" „Nein, ich verstehe Sie nicht!" gibt Gerbl ungeduldig zurück. „Was verdrehst du Herrn Gerbl den Kopf!" sagt ein Jude aus London und nähert sich Gerbl. „Der Herr versteht nicht Russisch! Wissen Sie, Herr Gerbl, das nennt sich .Graft'! Ja, .Graft* wird genommen." Gerbl zuckt die Achseln. „Laßt mich heran!" drängt sich ein Jude aus Smyrna, in einem zitzenen Kittel, erregt hinzu. „Adoni Gerbl, Schochad!*) Bakschisch!" „Ja, ja," rufen einige Auswanderer aus der Türkei, „Bakschisch, die Aufseher nehmen Bakschisch!" Der Aufseher und einige von der „treifenen" Gruppe treten auf Gerbl zu und erklären ihm: „Senor Gerbl, diese Leute da sind Faulenzer und wollen nicht arbeiten; sie kommien nur, um Skandale zu veranstalten." Gerbl geriet in Zorn. Und jähzornig war er über die Maßen! Er breitete seine langen Arme aus, eilte davon und schrie: „Skandal, Skandal!" Polizisten erscheinen und ziehen die langen Säbel. Es wird mäuschenstill, und alle entfernen sich mit gesenkten Köpfen. Gar oft wohnten wir schweren Herzens solchen Szenen bei und hofften auf ein besseres Regime. Leider hat sich bis zum heutigen Tage nichts geändert. •) Hebräisch: Herr Gerbl, Bestechung!

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