Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 7 (1929)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1929)
- Article
- Chassidische Legende
- Date
- 1929-07-01
- Page
- 360 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Zur Zeit der Ahnen, erzählt man sich, lebte ein Mann — der Name ist nicht überliefert — der die Sprache der Bäume verstand, das heißt so: er verstand sie nicht wie ein Mensch den zweiten, sondern er besaß die Gabe der Ahnung; er verstand ihre Sprache von Seele zu Seele. Eines Tages ging dieser Auserwählte in den Wald, und sein Herz jubelte in der Freude des Lebens zu Gott, bis ihm von selbst die Beine zu tanzen begannen. Er sang und tanzte, ermattete aber schnell und warf sich atemlos unter eine Birke. Kaum hatte er sich wieder aufgerichtet, als es ihm erschien, daß die Birke ihn anlächelte. „Was hast du über mich zu lachen", schreit er zu ihr auf, ,,ist es eine Torheit, zu Gottes Ehre zu tanzen?" Da scheint ihm, lächelt die Birke noch mehr zu ihm herab und antwortet: „Wer sagt denn, daß ich so denke? Im Gegenteil, ich wundere mich, daß du, ein Mensch, das stolzeste aller Geschöpf e der Erde, so schnell im Tanz ermüdest, während selbst eine Mücke länger aushält." „Hört nur einmal diese gescheite Birke!" antwortete der Chasside entrüstet. „Du willst mich tadeln, weil meine Kräfte beschränkt sind? Kannst du vielleicht mehr, als in deine Kraft gelegt ist . . . könnt ihr Bäume vielleicht die Grenzen eurer Natur überschreiten? Wenn ihr so stark seid, warum unternehmt auch ihr nicht einmal etwas Außergewöhnliches für den Schöpfer . . . seid ihr Bäume ihm nicht ebenso zu Dank verpflichtet? Warum hebt ihr euch also nicht auf und fangt selbst an zu tanzen?" „Warum nicht, . . . wenn Gott uns die Freude schenkt, werden wir sogar tanzen. Aber warum unternehmt ihr Menschen nicht selbst