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Menorah · 1929-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1929) · p. Seite 355

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
7 (1929)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1929)
Article
Mosaiksteine zur Kultur- und Sanitätsgeschichte der posenschen (großpolnischen) Juden am Ausgang des 18. Jahrhunderts
Date
1929-07-01
Page
Seite 355 (sequence 21)
Language
German
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M O S A I K S T E I N E 355 XII. Die Ansiedlung von privaten jüdischen Ärzten in den preußischen polnischen Provinzen wurde aber nach wie vor gern gesehen. Außer den schon genannten jüdischen Ärzten und ärztlichen Beamten kommen in dem Jahrzehnt preußischer Herrschaft, das diese Gegenden um die Wende des 18. Jahrhunderts durchmachten, junge jüdische Ärzte noch nach B e n t s c h e n, Gnesen, Grätz, T h o r n und Warscha uS3), wahrscheinlich auch nach Rogasen — und sicherlich noch in manch andere ehemals polnische Stadt84). Unter diesen jungen Ärzten befand sich auch ein Bruder der berühmten Henriette II e r z, der frühvollendete Dr. Daniel de L e m o s, der Sohn des Berliner Arztes Dr. Benjamin de Lemos. In Meseritz ließ sich 1797 sogar ein jüdischer Zahnarzt nieder. Von Beschränkungen, denen die Juden in der Stadt Warschau allmählich unterworfen wurden, wurde der jüdische Arzt Dr. Baersohn — ebenso wie die approbierten jüdischen Hebammen und ebenso wie die Lehrer an den von der preußischen Regierung für Warschau geplanten jüdischen Schulen — ausdrücklich befreit. Auch von Abgaben war er frei bis auf die Trauscheingebühren85). Und junge Juden wurden in den einst polnischen Provinzen zur Erlernung der Chirurgie bei christlichen Chirurgen zu einer Zeit ermuntert80), als selbst in Schlesien noch jüdischen Lehrlingen der Zugang zum Apothekergewerbe durch seltsame Bestimmungen87) mehr verbarrikadiert als freigegeben war. Geht man die Lebens-geschichte der Männer durch, die in der behandelten Zeit in den großpolnischen Gebieten als Juden den Ärztestand vertraten, so wird man die auffallende Bemerkung machen, daß sehr viele von ihnen aus dem alten Preußen stammten, und daß sie in den polnischen Gebieten ein wirtschaftliches Fortkommen suchten, das ihnen in ihrem Geburtsland nicht vergönnt war. Sichtlich übten sie eine kulturelle Wirkung auf ihre jüdische Umgebung aus; wie weit diese ging, soll hier nicht untersucht werden. Es soll nur angedeutet werden, wie schnell sich das Bild änderte, und wie schnell aus diesen polnischen judenreichen Städten, mochten sie nun im Verlauf des 19. Jahrhunderts preußisch oder russisch geworden sein, der Gegenstroin einsetzte, und sie, die einst Empfangende waren, Gebende wurden. Ihre Ärzte wuchsen nunmehr fast ausschließlich aus ihren eigenen Reihen, und aus den unerschöpflichen Reservoiren geistiger Kraft, die in den posenschen und polnisch-russischen und litauischen

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