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Menorah · 1929-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1929) · p. Seite 330

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
7 (1929)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1929)
Article
Bericht über Lyrik
Date
1929-05-01
Page
Seite 330 (sequence 7)
Language
German
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330 MENORAH Der Rhythmus der Negermusik, der in den europäischen Tanzdielen mißverstanden wird und als groteske Lustigkeit erscheint, ist im Grunde tief traurig. Denn aller Rhythmus bedeutet ja nicht, wie es scheinen mag, nur Betonung des Körpers, sondern auch Vergessen, Aufhebung der Leiblichkeit, wie es auch der eigentliche Sinn des Tanzes ist. den Leib aufzuheben von der Erde, ihn von der Erdschwere, von sich selbst, zu erlösen. Rhythmus, in seiner melancholischen Ursprünglichkeit, wünscht dasselbe zn erreichen (Tanz ist ja ohne seine Stütze unmöglich I. um so mehr, wenn er exzessiv, wenn er orgiastiseh wird. denn die Orgie will Selbstvernichtung. So gibt auch Langston Hughes seinen Blues folgendes Motto mit: „Die Blues sind nach Art der Neger-Volkslieder, die unter diesem Namen bekannt sind, geschrieben und haben, ungleich den Spirituals, eine bestimmte dichterische Form. Die Stimmung der Blues ist fast immer traurig. Aber wenn sie gesungen werden, lachen die Leute." Die Negerlyrik führt zurück zur allen gebundenen Thematik, wenn auch ihre Formfindung zum Teile individualistisch und vom anglo-amerikanischcn Kulturkreis abhängig ist. Aber sie weist zugleich vorwärts in die Zukunft. Wir müssen wieder Volk werden, wenn wir eine wahrhaft neue Stimme bekommen sollen. Kästner hat. recht: wir müssen von neuem beginnen. Aber Sachlichkeil ist kein Anfang: Sachlichkeit ist eine Verfallserscheinung, genau so wie die Lyrik der Dekadenz; sie ist aus Resignation entstanden, und ihre Flucht zum Fleische bietet keine Zuflucht. Der Journalist wird nicht der Sänger der kommenden Generationen werden können. Dem kommenden Volke erst wird das neue Lied gelingen. Ernst ~SXfal ding er. VOM BÜCHERTISCH 1LJA EHRENBURG. DAS BEWEGTE LEBEN DES LASIK ROITSCMWANTZ. Deutsch im Rhein-Verlag. Basel, 1928. ..An allem ist der Seufzer schuld" —- meint der Dichter. Ja. der Seufzer, das liefe Leid, das sich in alle Poren eingesaugt hat und nun immer neues Weh anzieht. Und auch das viele Denken — jene festgewurzelte Gewohnheil, zu spintisieren, spekulieren, kritisieren, analysieren und räsonieren, des Schwachen zweischneidige Waffe, die ihm zwar das Leben ertragen hilft, ihn aber auch zum ewig Gefoppten macht. Ein Seufzer brachte also Lasik Roitschwantzens Schicksal ins Rollen. Denn eines Seufzers wegen geriet er ins Gefängnis und mußte nachher seine Geburlssladt Hornel verlassen. Ähnliche Verbrechen ließen ihn das llaftwesen gar vieler Städte Rußlands, Polens, Deutschlands und der übrigen Welt kosten. Nur durch den Tod entrinnt er ähnlichem Los in Palästina, wo er erschöpft vor Mutter Rachels Grab zusammenbricht. Bis zuletzt geheizt, gestoßen, denkend und redend. Es ist ein geistreich spaßiges und dabei furchtbar trauriges Buch. Spaßig, weil Lasiks weltunkundigcr und scharfsinniger Blick die Dinge in ihrer lachhaften Widerspruchsfülle und Nacktheit sieht. Traurig, denn was er kennenlernt und was ihm widerfährt, ist grauenvoll und um so schmerzhafter, als keine Klage je diesem glaubensreichen Leidenshelden entschlüpft. Nur wird seine Sehnsucht, nach Gerechtigkeit immer brennender, seine Betrachtungen immer bitterer und immer merkwürdiger seine Sprache, in der auf ganz wundervolle Weise all seine Erlebnisse abgelagert sind. Vor allem aber ist es ein liebevolles Buch. Lasik Roitschwanlz. der eigenartige jüdische Don Quichotte, das tapfere Schneider- OTHA/I A W c^|JTi^|H^^rößteintemation^ \J X 11IV JLyVIV k3v^-ITjJ.r A Perücken, Scheitel und Transformationen Wien, I., Kärntnerring 6, gegenüber dem Hotel Bristol liefert seit mehr als anderthalb Jahrzehnten den vornehmen orthodoxen Damen aller Länder Perücken —— Spezialität: Brautsdieitel, diese werden der Mäddicnfrisur mit verblüffender Täuschung nachgemacht ——

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