Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 7 (1929)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1929)
- Article
- Die Libanonrepublik
- Date
- 1929-05-01
- Page
- Seite 310 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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M E N () R A II von den Mohammedanern nicht ganz die Hälfte Sunniten, über ein Drittel Schiiten und der Rest Drusen sein. In jedem Fall ist die christliche Majorität sehr schwach. Außerdem hat dieses Land seit jeher eine starke Auswanderung, die nur zum Teil durch Rückwanderung kompensiert wird. Die Auswanderer sind aber hei weitem in der Mehrzahl Christen, in der Hauptsache Maronilen. Ks gibt heule schon ebensoviel, wenn nicht mehr. Libanesen im Ausland als in der Heimal. Ks gibt Kolonien von Maronilen in Ägypten. Amerika, Frankreich und eine Diaspora, die fast über die ganze Well bis nach Australien verbreitet ist. (Ausgewanderte Libanesen gründeten die ägyptische Presse und haben sie zum großen Teil noch heule in der Hand.) Diese Auswanderer unterstützen zwar ihre Volksgenossen in der Heimal mil ihrem politischen Einfluß, aber das kann nicht hindern, daß die schwache Majorität der Christen durch die Emigralion schwer bedroht wird und eines Tages von den Mohammedanern überholt werden kann. Man ist sich im Libanon über diese Gefahr ganz klar und die Christen versuchen ihr rechtzeitig vorzubeugen. Ihre Majorität ist zwar klein, aber nichtsdestoweniger genügt sie, um die staatliche Macht für ihre Verstärkung und Sicherung einzusetzen. Und das in folgender Weise: das Wahlgesetz gibt allen Libanesen in der Diaspora, die der Republik Steuer zahlen, das Wahlrecht. Das sind 40.000 Stimmen, die zum allergrößten Teil den Christen zugute kommen. Zweitens wurde durch Staatsgesetz den 41.000 armenischen Flüchtlingen aus der Türkei in corpore die libanesische Staatsangehörigkeit verliehen. Drillens bereitet man wirtschaftliche Maßnahmen zum Stoppen der Auswanderung vor: in drei bis vier Jahren sollen sämtliche Ebenen des Landes bewässert werden, um den Auswanderungskandidaten eine Existenzbasis zu geben. Übrigens war die Auswanderung im letzten Jahr schon ziemlich klein, zusammen rund 6000 Seelen bei 2441 Rückwanderern, also netto nur etwas über dreieinhalbtausend, und die Christen hoffen sie bald ganz zum Karaitische Typen aus Südrußland S/t'Jir Siitt Kartier" Aufhören zu bringen. Zu optimistisch vielleicht, aber zielbewußt. Sie kennen noch keine pseudophilosophisch und ethisch maskierten Theorien, die Wert und moralische Berichtigung staatlicher Selbständigkeit und Macht des eigenen Volkes verneinen. Sie wissen noch nicht, daß sie moralisch verpflichtet sind, sich von Europa abzuwenden und ein Teil Asiens zu werden. Sie wissen nicht einmal, daß sie wegen ihrer Intelligenz und ihrer höheren Zivilisation die Aufgabe haben, die Führung im Freiheitskampfe der asiatischen Völker gegenüber dem europäischen Imperialismus zu übernehmen. Stall dessen arbeiten sie unberührt von allen ethischen Skrupeln mit allen praktischen Mitteln, die sie kennen, an ihrer Verteidigung gegen den arabischen Imperialismus, an der Sicherung und Stärkung ihrer Majorität und ihrer Herrschaft in ihrem Staate. In diesem Staate, den sie nur für sich wollen und der durch keine noch so lose Föderation mil einem arabischen Gemeinwesen verbunden werden soll.