Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 7 (1929)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1929)
- Article
- Wochenende in Jericho
- Date
- 1929-05-01
- Page
- Seite 302 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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302 M ENOR A Ii wirkliche Tiere — was läteil sie auch hier! Aber eine Gruppe halbversunkener Hügel sieht ganz so aus wie eine Herde Elefanten, die Köpfe wenigstens sind -deutlich. Und dort drüben ----- sieht das nicht aus wie die Hälse und Köpfe alter Kamele? In der Ferne zeigen sich neue Berge, in phanlastischeren Formen. Steiler und steiler wird die Straße — nun geht es nicht mehr liefer. wir sind in der Ebene. Sie ist kahl und wüst, aller sie ist wenigstens frei von den beklemmenden, den ungeheuerlichen Bergen. Das Auto schöpft frischen Mut und rollt lustig weiter Piach Jericho. Jericho ist in dieses Loch der Welt hinabgeschmeltert worden und dann mit der Kelle llachgestrichen! Die schwere, schwere Luftsäule über uns lastet auf dem Trommelfell, macht jeden Laut dumpf und schwer; die Stille hier scheint noch viel stiller als in den Bergen. Was kann man in Jericho anfangen? Tennis spielen? Plätze gibt es, aber in diesem Klima kann wirklich nur ein Engländer spielen. Nicht einmal ein Basar mit den sonst unvermeidlichen Andenken ist da. Der Araber sieht nicht ein, warum man an Jericho denken sollte. Er macht nicht den mindesten Versuch, dir elwas anzuhängen. Auf den Straßen, die aus dem Städtchen hinausführen. triiVl man kaum je eine Seele. In der Nähe hat man die armseligen Beste des biblischen Jericho ausgegraben. Es gibt nichts zu stehlen, also wird auch nichts bewacht. Man kann nach Herzenslust auf eigene Faust Ausgrabungen betreiben — bis es einem zuviel wird. Langsam wandern wir die Straße weiter, und langsam begreifen wir die Vollständigkeit, das Einzigartige dieser Wüstenei. Es sind Ablagerungen des Meeres, das einst hier wogte, das dann verdampfte und zurücktrat und diese phantastischen Beste hinterließ. Manche sehen aus wie verlassene Paläste, manche wie verzauberte Burgen. Hinter den Hügelketten, die die Straße begleiten, laufen tiefe Schlünde, stumm und schaurig wie das Grab. Und diese Leblosigkeit auf der Straße selbst! überall sonst auf der Welt windet 'sich ein Wurm, gräbt ein Engerling, greifen Wurzeln hinunter, iiilern Wassertropfen; die Toten hören vielerlei. Aber hier? Das Meer hat alles mit sich fortgenommen - jeden Laut, jede Bewegung, jede Zelle, die Leben in sich hatte. Horche nicht, wenn du allein bist —- es gibt nichts zu hören. Rufe nicht du könntest ein schauriges Echo wecken. Sprich nicht —- wer weiß, was dir auf die Lippen tritt. Denke nicht du könntest verrückt werden! Wir nähern uns dem Flusse — Gottloh. das Leben erwacht!