Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 7 (1929)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1929)
- Article
- Juden sollen Bauern werden!
- Date
- 1929-05-01
- Page
- Seite 290 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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290 M E N O B A H Administrators Gerbl bildete, eines deutschen Offiziers und getauften Juden. An dieses Gehöft war noch ein Blechhäusehen angeschlossen: Die Unterkunft des französischen Juden Ingenieur Tiracini und seiner Gehilfen. In einer Entfernung von 150 Meter stand die Behausung der Immigrantenfrauen, wo zwischen Wäschestücken und Bettzeug das weibliche Geschlecht und die Kinder herumlungerten. Und zwei Polizisten wachten vor dem Eingang, damit die Männer nicht eintreten. Unweit befand sich ein mit Stroh gedeckter Schweinestall. Er gehörte damals noch dem früheren Besitzer Senor Remela Frawho, der das Grundstück an den Baron veräußert und die Schweine von dort noch nicht entfernt hatte. Also wurde dieser Stall den Männern zugewiesen. Zwar wälzten sich dort die früheren Einwohner noch herum, wie Schweine eben schon sind, aber wir trieben sie auseinander und gingen an die Einquartierung. ..Hotel Schwein** benannten wir ihn nach den früheren Einwohnern. Ich und meine Freunde hielten Umschau in dem neuen Quartier. Indessen trieben die Spanier einige fette Kühe heran. Einer schwang den Lasso und im Nu wurden die Hörner oder der Hals des Tieres umschnürt, ein zweiler band ihm die Hinterbeine und brachte es zu Fall. Und bald darauf wurde es von dem Manne, der tagsvorher die Suppe und das Fleisch austeilte, geschlachtet. Sechs Stück wurden auf diese Art und Weise geschlachtet, und alle waren koscher . . . Die Feuer brannten und man briet das Fleisch. Einige baten um Salz. Sie wollten das Fleisch salzen und kochen. Aber Gerbl versicherte, in Argentinien sei Salz teurer als Fleisch. Nun wurden ganze Seitenteile gebraten! Die Alleinstehenden oder die Ledigen", wie man sie nannte, weil einige von ihnen ihre Familien in der Heimat zurückgelassen hatten, und andere, die noch gänzlich unverheiratet waren, beschäftigten sich mit dem Braten des Fleisches. Nachdem es gar geworden war, wurde es unter die Leute verteilt; jede Familie erhielt so viele Portionen, als sie Mitglieder zählte. Im Lager herrschte eitel Freude. Man trug von allen Seiten SchiiTsschalen herbei, erhielt Schnitten halbgebratenen Fleisches, einer bettelte beim anderen eine Prise Salz aus. und man kaute „carnc" mit Zwieback. Bevor man noch die Mahlzeit beendet hatte, fiel die Nacht herein. Gerbl hielt einen Appell ab, um zu sehen, ob jemand fehlte, und es stellte sich heraus, daß drei „Ledige'* noch nicht eingetroffen waren. Es wurden Wegkundige ausgeschickt und sie brachten die Verirrten noch vor Einbruch der Dunkelheit halbtot, verhungert und mit verwundeten Füßen ins Lager. Man räumte ihnen in unserem „Hotel*'