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Menorah · 1929-03-01 · Heft 3-4 (März 1929) · p. Seite 230

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
7 (1929)
Issue
Heft 3-4 (März 1929)
Article
Revolutionstalmudisten
Date
1929-03-01
Page
Seite 230 (sequence 3)
Language
German
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230 M E N () R AH Der Stund der zionistischen Organisation Polens sank infolge der, im wahren Sinne des Wortes, aufreibenden Tendenz dieses unseligen Kampfes von nahezu .'100.000 registrierten Mitgliedern auf nur 4000 Unentwegte, die sich aber nunmehr schon ganz energisch die Ansicht zu haben erlaubten, daß die zionistische Idee unter den allzu lebhaften Bemühungen beider Gruppen bereits bis zur Unkenntlichkeit ,,zerkämpft" war und daß für deren ..Reinhaltung", um die man in beiden Lagern so leidenschaftlich kämpfte, einfach nichts mehr übrig blieb. In diesem Stadium der inneren Ermüdung, die natürlich bekk? Kampileitungen bis zum letzten Augenblick nicht wahr haben wollten, traten endlich die ..Unabhängigen Zionisten". die sich um die einflußreiche zionistische Tageszeitung „Hajnt" gruppierten, auf den Plan und ihren ehrlichen Bestrebungen gelang es, einen Friedensschluß in der zionistischen Organisation Polens herbeizuführen, bei dem es nach bekannten Vorbildern ,,keine Sieger und keim» Besiegten" gab, der aber gleichwohl die Tatsache nicht aus der Welt schaffen konnte, daß da ein großer Verwundeter auf dem Felde des persönlichen Ehrgeizes zurückblieb: der Zionismus in Polen. M. G. Zimmermann. Hehräisch in USA ,.Hadoar", das in New York erscheinende hebräische Wochenblatt, führt Klagen über den Niedergang des hebräischen Buchhandels in Amerika. Als einzige Käufer hebräischer Bücher kommen nur die Rabbiner und hebräischen Lehrer in Betracht. Die Buchhandlungen müssen, um weiter existieren zu können, englische Bücher verschleißen. Ähnlich geht es auch dem jiddischen Buchhande1. Nicht einmal Gebetbücher werden gekauft, da die großen Synagogen die Bücher direkt vom Verleger beziehen und sie den Besuchern zur Verfügung stellen. Demzufolge läßt auch die Lage der hebräischen Lehrer zu wünschen. Nur wenigen gelingt es, durch kaufmännische Rationalisierungsmethoden ihre Kurse über Wasser zu halten. Daneben gibt es aber besonders unter der Intelligenz immer wieder Bestrebungen für die Erweckung und Pflege der hebräischen Sprache. So feiert«1 vor kurzem eine Vereinigung amerikanischer Arzte „Agudath harof'im dowre iwrith" ihr Gründungsfest. Die Vereinigung, deren Mitglieder tatsächlich Hebräisch als lebendige Sprache sprechen, setzt sich hauptsächlich aus Absolventen palästinensischer Mittelschulen zusammen, die sich studienhalber nach New York begeben und zum Teile auch dort ansässig machen. E. M. BIBLIOGRAPHIE BERN ARD LAZARE. LE FEM I ER DE JOB. DER MISTHAUFEN HIOBS. Bei F. Riedcr et Cie., Paris, in der Sammlung Judaisme. Vom Titel angefangen ist das kleine Büchlein von seltener Ausdruckskraft. Wie Hiob, der Schwergeprüfte, dem alles genommen wurde, schließlich, nach vielem Klagen und tiefschürfendem Denken, friedlichen Herzens sein Schicksal bejaht, ergeht es dem Autor. Auch er besaß Wertvolles. „Ich lebte inmitten eines Volkes und ich wähnte mich seines Blutes." .,Sein Boden war mein Bodensein Himmel der milde Himmel, den ich so sehr liebte, ich kannte keinen schöneren; ich glaubte der Bruder derer zu sein, die mich umgaben" —■ er hegte mit einem Wort alle Illusionen eines Freidenkers und Liberalen von anno dazumal. Doch unvermittelt, aus einem Himmel, den man eher heiler sehen wollte, als daß er es wirklich gewesen wäre, brach der Sturm los. Die Dreyfusaffäre ging über Frankreich nieder. Und nun verlor der Jude, der nie an das Judentum dachte und ihm völlig fremd war, seine vielen erworbenen Schätze. „Am Tage, da ich aus dem Traume erwachte, hörte ich's sagen, daß fremd sei mein Blut, fern mein Boden, wo anders mein Himmel und andere Menschen meine Brüder. Ich erwachte als Jude — und wußte gar nicht, was denn das bedeute .Jude'." Aller Habe bar, sitzt er nun auf seinem Misthaufen und denkt. Draußen aber gellen die Schreie ..Tod den Juden". Er durchwandelt im Geiste die vielen Jahrhunderte jüdischer Geschichte, versenkt sich in den Geist jüdischer Lehren, analysiert sowohl Tugenden als auch Fehler, überschaut geklärten Blickes die gegenwärtige Situation und geht mit sich selbst ins Gericht. Bis er endlich das beglückende Bekenntnis ablegt, das ihn mit dem Leben versöhnt. „Ich erwarb den Stolz, Jude zu sein. Ich weil.!, warum ich es bin, was mich an die Vergangenheit meines Volkes bindet, was mich mit seiner Gegenwart verknüpft, was mich zwingt, ihnen zu dienen und was mir erlaubt, ihn4 Menschenrechte allen entgegenzu schreien." Und dann: .....weil man als Jude es leichler hat, Mensch zu sein, deswegen soll man Jude bleiben." Damit hat er seine Ruhe gefunden und segnet sein Los. Das Werk ist unvollendet geblieben. Jetzt, lange nach Lazares, des unerschrockenen jüdischen Dreyfusarden Tode, ist es in Bruchstückform herausgegeben worden. Das gibt ihm einen eigenen Reiz, denn der fragmentarische Charakter der einzelnen Teile ist sehr dazu angetan, die Atmosphäre von Qual

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