Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 7 (1929)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1929)
- Article
- 'Die Juden in der Kunst'
- Date
- 1929-03-01
- Page
- 181 (sequence 1)
- Language
- German
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„DIE JUDEN IN DER KUNST" Von Max Eisler Wir leben in einer Zeit der Kompendien. Zwei jüdische Lexika sind im Gang und neben diesen umfassenden Unternehmungen, die alles Wissenswerte von den jüdischen Dingen unter ein Dach bringen möchten, fast auf jedem Feld unserer Kultur genauere Übersichten. Nachdem man sich am Beginn der neujüdischen Bewegung durch derlei Rückblicke die Vergangenheit vergegenwärtigt hatte, um aus der Geschichte unseres Volkes alles Tragfähige für die nationale Renaissance zu gewinnen, schlägt man jetzt mit merkwürdigem Eifer die Tat des letzten Menschenalters hinzu. Man hält allenthalben Inventur. Das gesteigerte, gefestigte Selbstgefühl verlangt solche Buchung, nicht weniger die Selbstbesinnung. Und vor allem ihretwegen sind diese Versuche grundsätzlich aufs wärmste zu begrüßen. Besonders, wenn sie sachlich sind. Denn dann dienen sie auf die reinste verantwortliche Weise der Forderung des Augenblicks, geben Rechenschaft über das, was erreicht ist, und zeigen, wohin der Weg geht. Nichts ist uns heute so notwendig wie dieses Innehalten, Innewerden. Zu lange haben wir uns treiben lassen. Jetzt wollen wir wissen, ob der Kurs zum Ziele führt. Auch die Kunst braucht solche Klarheit. Freilich, die Künstler müssen sie selber finden; aber den Liebhabern ihrer Werke muß sie endlich eindeutig geboten werden. Denn die befinden sich schon seit Anbeginn in einer nachgerade unhaltbar gewordenen Unsicherheit. Das wird keinen auch nur halbwegs Eingeweihten wundernehmen. Hier fehlt es schon an einer Verständigung über den Grundbegriff. Es gibt Werke jüdischen Stoffes von nichtjüdischen Künstlern, darunter solche von tiefreichender Einfühlung ins jüdische Wesen, und andere, die dem Geist des Judentums fremd bleiben, ja ihn verleugnen oder geradezu in sein Gegenteil verkehren. Dann gibt es Werke jüdischer Hände, jüdisch im Stoff oder nicht, jüdisch an Form und Seele oder aufgegangen im Stil und Sinn ihrer nichtjüdischen Umwelt. Man