Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 7 (1929)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1929)
- Article
- Vom Nil zum Jordan
- Date
- 1929-02-01
- Page
- Seite 124 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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124 MENORAH gewaltig, und es ist ungerecht, zu vergessen, daß auch dies ein kollektives Verdienst war; ungerecht, sich an einzelne zu erinnern, möge auch ihre Leistung noch so hoch gewesen sein, und der Fünftausend zu vergessen. Und ich spreche hier mit der tiefen und kühlen Ueberzeugung eines Beobachters: zieht man bloß die Kriegsepoche in Betracht — so gehören fünfzig Prozent des Verdienstes an der Balfour-Deklaration der Legion. Denn die Welt ist kein Freigut, Einzelpersonen gibt man keine Balfour-Deklaration, man gibt sie einer Bewegung. Worin hat sich die zionistische Bewegung in jener Kriegszeit ausgedrückt? Sie war flügellahm, paralysiert, stand ihrem ganzen Wesen nach außerhalb des Brennpunktes einer Kriegswelt mit ihren Kriegsregierungen. Nur eine einzige Kundgebung des zionistischen Willens war imstande, die Hindernisse dieses begrenzten Gesichtskreises aus dem Wege zu räumen, zu beweisen, daß der Zionismus auch im Kriege lebt und zu Opfern bereit ist, Minister und Botsehafter und (die Mächtigsten aller Mächtigen) Journalisten zu zwingen, die Bestrebungen des Volkes Israel für ein Land als Sache von dringender Aktualität zu behandeln, als eine Sache, die man nicht ad calendas Graecas verschieben kann, weil man heute mit „Ja" oder „Nein" antworten muß. Das war die Legionsbew7egung. Das jüdische Volk hat diesen Fünftausend seinen Dank nicht abgestattet. Sie bedürfen dessen nicht. Aber in ihrem Bewußtsein lebt das stolze Gefühl, dem ich hier Ausdruck gegeben habe. Und es wird noch eine Zeit kommen, in der die jüdischen Kinder diese Wahrheit zugleich mit dem Alphabet lernen werden. Und an jeden einzelnen dieser Fünftausend richte ich jene Worte, die ich einst, Abschied nehmend, an meine „Schneider" in unserem letzten Lager bei Rischon gerichtet habe: „Weit in Deiner Heimat wirst Du einst in deiner Zeitung schöne Botschaften lesen, Botschaften von einem freien jüdischen Lande, von Geschäften und Universitäten, von Dörfern und Theatern, vielleicht auch von Abgeordneten und Ministern. Dann wirst Du versonnen dasitzen, und das Blatt wird Deinen Händen entgleiten, und Du wirst Dich erinnern an das Jordantal, an die Wüste bei Raffah, an die Berge Ephraim bei Abuein. In dieser Stunde sollst Du Dich erheben und an Deinen Spiegel treten und stolz in Dein Gesicht schauen. Recke Dich gerade, wie damals in den Reihen des Bataillons, und salutiere Dir selbst: denn das ist Dein Werk."