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Menorah · 1929-01-01 · Heft 1 (Januar 1929) · p. Seite 62

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
7 (1929)
Issue
Heft 1 (Januar 1929)
Article
Eine italienische Reise
Date
1929-01-01
Page
Seite 62 (sequence 13)
Language
German
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82 MENORAH tetes Waschbecken. Durch diese Halle traten wir in das Gotteshaus. Auch hier die Anordnung des Aroji Hakodesch und des Almemor, wie in dem italienischen Tempel, reicher architektonischer Aufbau aus den feinsten Holzarter zusammengesetzt, mit zierlichen Einlegearbeiten, mit den satten Farben des jahrhundertealten Materials. Die Synagoge wird nicht mehr benutzt, vier Jahrhunderte lang ein Sammelpunkt religiöser Andacht, jetzt verlassen, .nur noch ein Zeugnis ents ch w u nd ener HerrIi ch k e it. In der großen Paduaner Synagoge der Scuola Tedesca (der Deutschen) wirkt sich der Reichtum der Judengemeinde noch viel stärker aus, wie in der spanischen und italienischen. Der Aron Hakodesch mit seinem plastischen Schmuck an der aus Stein errichteten ßundesiacle, mit Schnörkeln und Gehängen, mit seinen Pfeilern und Säulen, mit silbernen Kronen, Lampen und Leuchtern, mit kostbaren Vorhängen, Gold mit Steinen übersäte Stickereien und mit herrlichsten, künstlerisch ausgeführten Inschriften auf alten Geweben das alles wirkt um so überwältigender, als man hinter der einfachen Fassade des äußeren Baues, ein so prunkvolles Innere nicht erwartet; die vielen wohl einen Meter langen Lichte in den Leuchtern um das Vorbeterpult in ihrer Fülle gruppiert, verstärken noch den Findruck einer starken Anlehnung an die kirchliche Ausstattung der Altäre. Von den kostbaren Handschriften der alten Juden und den Drukken der alten Druckereien hatte ich noch nichts gesehen, manches ruht noch in den Archiven und sieher vieles noch in den Bibliotheken, vieles noch unentdeckt unter Schutt und Trümmern. Aber sicher sind ungeheure Schätze, große Kulturwerte auf den Scheiterhaufen des 14., 15. und 16. Jahrhunderts vernichtet. Meies ist durch Unachtsamkeit und Lieblosigkeit verlorengegangen; die Althändler, zumeist Juden, haben Kirchengerät und Klostergut, Künstlerisches und Wertloses in Mengen. Aber für die Erhaltung unserer jüdischen Kulturwerte haben sie nichts getan; das war keine marktgängige Ware. Heute, wo sich endlich Interesse regt, dieses Erbgut zu erhalten, ist es vielfach zu spät. Die Esther-Rollen und die Haggadas, die Kethuboth und Omer-Rollen mit ihren prächtigen Schriften und ihren herrlichen Bildern, hätten uns viel von den Erlebnissen der Juden jener Zeiten und von ihrem Können erzählt. (Fortsetzung und Schluß folgt)

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