Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 7 (1929)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1929)
- Article
- Eine italienische Reise
- Date
- 1929-01-01
- Page
- 50 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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KINK I I ALIKMSCIIK UKISK Von S. K i r s c Ii s t e i n. In Italien leben etwa 42 000 Juden; bei einer Gesamtbevölkerung von über 40 000 000 sind sie ein zehntel Prozent der Bevölkerung. Als ich im März vorigen Jahres mit meiner Frau nach Italien reisen wollte, wußte ich von meinen GJaubensbrüdern in diesem Lande nur das, was man in der allgemeinen Geschichte der Länder und Völker gelernt hatte, wußte aus den Kultur- und Kunstgesehichtsbüchern und aus den Reiseführern, daß man in Mailand, Venedig, Florenz, Rom, Neapel die herrliche Natur, die alten Bauten, die Kunstw erke auf den Straßen und Plätzen und in den .Museen gesehen haben mußte. Aber über die Juden in Italien gibt es keine nennenswerte Literatur und das wenige w as man im Graetz: Geschichte der Juden; bei Berliner: Beiträge zur Geschichte der Juden in Italien und Geschichte der Juden in Rom und neuerdings bei Vogelstein-Rieger: Geschichte der Juden in Rom, i'indet, ist unzulänglich für die heutige Zeit, und das wenige was Kassuto und Blumstein geschrieben haben ist in italienischer Sprache, kommt also für die Juden außerhalb Italiens kaum in Frage. Eine kurze Uebersicht gibt Professor Dr. Ermano Löwinsohn, Rom, von dem Leben der Juden in Italien. (Er ist ein Bruder der in der jüdischen Frauenbewegung hervorragend tätigen Frau Henriette .Mai-Berlin und Deutscher von Geburt.) Das war die Ausrüstung Für die italienische Reise. Die .Viaria della Grazie, in den Offizien, im Pallazzo VIedici und im Pallazzo Pitti brauchte mir nichts verlorengehen. Da war alles im Baedeker, mit und ohne * notiert, in Florenz und Turin ist sogar die nackte Tatsache einer Synagoge im Baedeker verzeichnet und in Venedig das Vorhandensein des Ghetto vecchio und nuova, sonst weiß der Baedeker von den Juden in Italien nichts und ich war auf eine Entdeckungsreise angewiesen, wie in einem undurehForschten Lande der afrikanischen Wildnis. Dabei wußte ich doch, daß die Juden in Italien seit über 2000 Jahren lebten, und ihre Spuren, so sollte man glauben, nicht in Aeonen untergehen könnten. Haben sie doch diesem Lande ihrer Seele Richtung gegeben, haben sie doch trotz der Hunnen, Mongolen, Longobarden, der Kultur dieses Landes mit ihren Stempel aufgedrückt, und sie oder doch ihre Jünger haben die Götter der