Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 7 (1929)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1929)
- Article
- ... Juden zu retten!
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 8 (sequence 2)
- Language
- German
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3 MENORAH wenigstens Dialekt sprechen konnten. Ich liebte 's, insbesondere, in dieses alte und reizvolle Gehege, das gut zu kennen, kein Leichtes ist, einen der Ihrigen hineinzutreiben, einen Prinzen etwa, oder Offizier der russischen kaiserlichen Garde, der nun kavaliersmäßig ein Auto lenkt. Riesenspaß machte 's mir, zu sehen, wie er blumengeschmückte Sackgassen ablief, in denen sein Motor jäh Vögel aufscheuchte, unter polterndem Geratter der Bremse mühselige Wendungen vollführte, sich nochmals vorwagte, wieder umkehrte und dann nach dem Weg, zwar aus Eitelkeit noch nicht mich, wohl aber die wenigen Passanten fragte, die darauf russisch zur Antwort gaben, sie wüßten es nicht. Zu guter Letzt kam der Augenblick, den ich erwartete: seine freie Hand griff nach der vorderen Scheibe oder nach der Wagentür und er bat mich um Hilfe. Dann sah ich mir sein verwirrtes Aristokratengesicht näherkommen, in dessen Ruinen zwei Augen aufrecht standen. Augen des Befehls. Zeitweise jedoch von den gewöhnlichen Worten, die die Notwendigkeiten des neuen Standes harmlos mit sich brachten, sichtlich wild, wie von Beleidigung rasend gemacht. Statt zu belehren, gebot ich, stehen zu bleiben. Er fragte: „Verzeihen Sie, ich weiß nicht mehr, wo ich bin. Sagen Sie, bitte, wo gehts jetzt hin?" „Wo waren Sie vor dem Krieg? Woher kommen Sie?" — versetzte ich darauf. W^ie viele sind in diese gutgemeinte Falle gegangen! Manchmal wirkte mein Mangel an Diskretion verletzend und trieb Todesblässe ins Gesicht, manchmal aber war Freundschaft seine Folge. So machte ich eines Abends, um die Rue des Vignes herum, die Bekanntschaft, nein, keines Russen, eines Armeniers. Ein ausgezeichneter Chauffeur. Wie ich zu verstehen glaubte, gewesener Leutnant im kaiserlich-russischen Heer, oder jedenfalls in dem, was unter dem Namen „Weiße Armee" davon erhalten blieb. Erkämpfte 1920 gegen die Bolschewiken zusammen mit dem polnischen Heer, das ganze Detachements weißer Soldaten verwendete. Als wir miteinander schon so vertraut waren, daß er mir zu Gefallen sein wollte, lispelte er mir mit seiner sanften orientalischen Stimme ins Ohr: „Ja, aber wollen Sie was anderes hören? Nicht einfache Kriegsgeschichten? Verbrechen, Geheimnisse? Wollen Sie? Ich hab einen