Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 7 (1929)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1929)
- Article
- ... Juden zu retten!
- Date
- 1929-01-01
- Page
- 7 (sequence 1)
- Language
- German
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MENORAH VII. JAHRGANG JANUAR 1929 NUMMER 1 . . . JUDEN ZU REITEN! Erinnerungen an dem russisch-polnischen Krieg im Jahre 1920. Gesammelt von Henri Hertz. Paris, knapp nach Friedensschluß. Paris, ein Fremdenlager. Im XV. Bezirk Afrikaner. Im XIV. und VI. Parteigänger aller Parteien aller Teile der Welt, in zwei — heute drei — Kaffeehäusern, denen man seither, des Kampfes müde, Exterritorialität gewährt hat, an ihren vielsprachigen Träumen kauend, rauchend, trinkend. Im IV. flüchtige Juden, bemüht, im Gassengewimmel am Maraisgrund, auf dem Boden „Alt-Frankreichs" Wurzel zu fassen. Im XV71. Tausende Russen, große Scharen von Japanern. Vom Elend des Krieges zerschunden, von Nöten des Friedens gepeitscht, was machst nun du hier, Pariser, der du in Paris herumzustreifen pflegst? Was denn anderes, als sie betrachten und lieben, sie, die ebenfalls, stolz wie sie sind, vom Elend bedrückt werden, jenem glorreichen Elend der ganzen Menschheit, die der Krieg aus ihrem Schlaf gezerrt hat und die jetzt allerorten aufwallt und brodelt? Zu Anfang dieser Zeit, als die Gewohnheit jener Spaziergänge noch nicht erstarrt und erkaltet war, irrte ich oft in den kleinen Gäßchen von Passy umher. Passy, das Städtchen, Ort, wo Boileau und La Fontaine einander zu treffen pflegten, und einst durch seine Quellen berühmt, ist noch lange nicht ganz tot. Bei all seinen modernen Häusern, die, wenn sie einmal vier Stock hoch sind, sich in diesem Villen- und Gartenviertel wie Wolkenkratzer ausnehmen, kostet die Nivellierung schwere Mühe, die letzten Alleen, die letzten Bäume zu Grabe zu tragen. Russen im Exil haben hier ihre Zelte aufgeschlagen. Japaner, dem Westen auflauernd, lagern da. Ich liebte es, in diese schweigsamen Wege hinabzutauchen, wo jener fremden Leute Laute zu herrschen und französische so fremdartig zu klingen begannen, daß ich die Maurer aus der Creuse und dem Correze beneidete, die, um hier nicht aus dem Bilde zu fallen,