Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 7 (1929)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1929)
- Article
- Leon Kellner
- Date
- 1929-01-01
- Page
- 3 (sequence 1)
- Language
- German
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lho.n ki:liakk Da wir mehr als J() Jahre freundsehah - lieh verbunden waren, in jener Waffenbrüderschaft stolz, bewußten Juden! ums, eines Sinnes über Inhalt und Form unseres vor Jahrtausenden geformten Schicksals, gelobe ieh kein Werturteil über den geliebten Dahingeschiedenen abzugeben, sondern in seinem Sinne die erwiesenen Tatsachen sprechen zu lassen. Denn es bedeutet melir als ein Finzclsehicksal, was liier aufgezeigt werden soll; es ist ein S\mbol. Der Knabe Leon hatte sieh in Tarnow seiner Geburtsstadt heimlich autodidaktisch für das Seminar in P>res lau vorbereitet, war aber nach kurzem Studium voll Skrupel über seine innere Berufung zum Rabbinat abgegangen, um in ßielitz die gymnasiale Reifeprüfung abzulegen. Dort lernte er ein energisches hochgesinntes Mädchen kennen, seine nachmalige Frau. die als Anna Kellner eine hervorragend«: Interpretin englischer Autoren wurde. Durch sie lernte er diese Fremde Sprache erst kennen. Vier Jahre später proinov ierte er, legte die Prüfung für .Mittelschul lehrer ah. lehrte an einer Realschule und habilitierte sich später als Privatdnz.ent an der l niv ersität. Noch als junger Schulmann, mitten im Korrigieren der Schulhefte schrieb er seine ,,Lnglische Syntax und Formenlehre", von der vor 2h Jahren ein englischer Kritiker sehrieb, «laß sie auf keinem Schreibtisch eines englischen Schriftstellers fehle. Das Ruch wurde in den Schulen \ 011 Lngland und Kanada amtlich eingeführl. In kurzer Folge publizierte er ein Lng- Iisch-deutsches, deutsch-englisches Wörterbuch für Schulgebrauch, die Fssaysammlung ,,Fin .Jahr in Lngland". ,,Die englische Literat ur im Viktorianisehen Zeitalter*' und spiller ,.Die Geschichte der amerikanischen Li- Ieratur". Vor etwa 20 Jahren begann er von seinen Studien über Shakespeare zu sprechen, in dessen Dramen so viele unverständliche Stellen stören, die er durch richtige Deutung der Schreibweise jener Kpoche zu klären suchte. \ oii Shakespeare besitzen wir kein Üriginalmanuskript seiner \\ erke. Seine Dramen wurden wahrscheinlich nach Sou I I leurbüchern, nach heimlichen Kopien, \ erst üinnielt gedruckt. liier setzte sein Forschergeist ein. Alan hatte für ihn in (zernowitz einen Lehrstuhl geschaffen, der ihm mehr freie Zeil für seine Forschungen lieb. Vor sieben Jahren erschien sein .Shakespeare-Wörterbuch (im Verlage der Oxfordl niversity Preß), das in der englischen Welt das größte Aufsehen erregte. Jedes Wort, das Shakespeare geformt hatte, wurde dargestellt und kommentiert. Wenige -Jahre später erschien das aufsehenerregende Werk RestoringShakespeare (Der wiederhergestellte Shakespeare), in dem er die Konsequenz seiner Theorie über die falschen Vorlagen zu Shakespeare zog,