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Menorah · 1928-11-01 · Heft 11-12 (November 1928) · p. Seite 710

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
6 (1928)
Issue
Heft 11-12 (November 1928)
Article
Geschichtliches aus Nürnberg
Date
1928-11-01
Page
Seite 710 (sequence 2)
Language
German
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710 M E N O R A II trotz dauernder Gefahren, die ihnen von Pöbel und Herrschern drohen, bildeten die Kchillo und ihre Institutionen ihre erste Sorge. Auf ,die Frage, wann sich Juden erstmals in Nürnberg ansässig machten, läßt sich eine genaue Antwort nicht geben. Wohl beweisen zahlreiche Verordnungen der verschiedenen Kaiser sowie des Nürnberger Rat js, daß schon zu früher Zeit Juden in Nürnberg wohnten, das bestimmte Alter der ersten Urkunden läßt sich jedoch nicht feststellen. Man ist daher auf Angaben und Vermutungen der einzelnen Chronisten angewiesen, die sich aber meist als unzuverlässig erweisen. Die erste ausführliche Arbeit über die Geschichte der Juden zu Nürnberg dürfte die des Pfarrers Würfel sein1). Mögen auch die einzelnen zahlenmäßigen Angaben zuverlässig sein, so ist doch die Schrift offensichtlich von einer Abneigung gegen Juden diktiert, die an eine objektive Darstellung zweifeln läßt. Barbeck, der den gleichen Stoff später behandelt, sagt in bezug auf das Nürnberger Urkundenmaterial mit Recht, daß „eine angestellte Probe die totale Unzuvcrlässigkeit des Vorhandenen (Materials) ergab, trotzdem solches bisher immer noch hochgeschätzt und, abstrahiert von seiner intoleranten Tendenz, als sichere Quelle betrachtet wurde4'2). So wissen judenfeindliche Berichterstatter mitzuteilen, daß die Juden an König Heinrich V., der mit seinem Vater im Kriege lag, die Stadt verraten hätten. Daß dies jedoch nicht zutreffen kann, beweist eine Bemerkung Stobbes ), wonach die Vita Heinrici, die übe]' die Uebergabe der Stadt berichtet, nichts von Juden erwähnt. Dem Reiche der Phantasie dürfte ebenfalls die von Würfel zitierte Meldung von Gundling4), daß sich bereits im Jahre 100 Regensburger Juden in Nürnberg ansässig machten, ebenso die des Nürnberger Historikers Falkenstein5), der wissen will, daß ein Jude im Jahre 46 das Abendmahl empfing, angehören. Ziemlich bestimmt dagegen scheint es jedoch, daß mit Beginn des 12. Jahrhunderts Juden in Nürnberg wohnten. Die erste authentische Mitteilung über ihren Aufenthalt daselbst datiert vom Jahre 1146, aus der hervorgeht, daß sich viele Juden zur Zeit des zweiten Kreuzzuges unter den Schutz Königs Conrad III, begeben haben. So wenig verläßliche Unterlagen für den Beginn einer jüdischen Niederlassung in Nürnberg vorhanden sind, um so sichere Berichte existieren, daß sie von jeher den schlimmsten Verfolgungen ausgesetzt war, so daß von einem ununterbrochenen Aufenthalt der Juden am Anfang keine Rede sein kann. Der Willkür der Herrscher und der Rohheit der Masse waren sie und ihr Besitz dauernd ausgesetzt. Grausamkeiten, die sie ihres „Glaubens wegen1' ertragen mußten, verbitterten ihr Dasein. Wohl waren gewaltsame Taufen offiziell untersagt, doch berichtet selbst Würfel, daß immer wieder Geist-

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