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Menorah · 1928-11-01 · Heft 11-12 (November 1928) · p. Seite 706

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
6 (1928)
Issue
Heft 11-12 (November 1928)
Article
Memorbücher
Date
1928-11-01
Page
Seite 706 (sequence 10)
Language
German
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706 M E N O R A II Die Kompositionsform erstarrte allmählich im Laufe der Jahrzehnte und Jahrhunderte. Es wurde ein Memorhuch dem linderen nachgeschrieben. Bei dem Martyrologium gab es einige Urlisten von Märtyrerorten, die — meist mit geringen Variationen — immer wieder nachgeschrieben wurden. Dasselbe gilt für das allgemeine Nekrologium, in dem auch immer wieder dieselben Namen wiederkehren. Zuweilen legte ein Mitglied der Gemeinde, meist wohl der Vorbeter, das Memorbuch an. Gewöhnlich aber wurde ein solcher Auftrag einem Sofer (Thoraschreiber) gegen angemessene Bezahlung übertragen. Dieser lieferte das Buch in allen Teilen fix und fertig; oft hatten die für solche Arbeit bekannten Sofcrim fertige Memorbüeher; sie hatten sie gleichsam im Verlag. Die Bücher glichen sich wie ein Ei dem anderen; jedes lokale Gepräge fehlt, und da auch das Titelblatt ganz schematisch, nicht einmal mit Hinweis auf die ßesitzgemeinde abgefaßt wurde und, besonders in kleinen Gemeinden, das Memorbuch auch später keine lokalen Nachträge mehr erhielt, so kommt es, daß in Bayern eine ganze Anzahl von Memorbüchern vorhanden ist, bei denen nur ein glücklicher Zufall es ermöglicht, ihre Zugehörigkeitsgemeinde zu kennen. Ich führe als Beispiel aus vielen das Zeckendorfer an. Weder das Titelblatt erwähnt den Namen dieses Ortes, noch finden wir an irgendeiner Stelle des ganzen Buches diesen Ort erwähnt. Nur der Umstand, daß irgend jemand einmal mit Bleistift das Wort „Zeckendorf" auf den Buchdeckel schrieb, gibt uns erwünschte Aufklärung. Gewöhnlich haben diese schematischen Memorbücher doch ein regionales Gepräge. Wir finden die Rabbiner, die in der dortigen Gegend gewirkt, im Nckrologium, — die Märtyrerorte des Bezirkes im Martyrologium. Es lassen sich so in Bayern bestimmte Memorbuchgegenden feststeilen, in deren Kreis die Bücher sich in ihrer ganzen Anlage ähnlich sehen. So Pfersee und Kriegshaber mit ihren schwäbischen Nachbarorten, die Memorbücher im Ries, die fränkischen um Schwabach und vor allem die um VVürzburg. Für die letzteren war das Heidingsfelder Memorbuch Vorbild. So für Veitshöchheim, Höchberg, Biebergau. Selbst der lokale Nekrologteil, der nur für Hciclingsfcld Bedeutung hat, wird abgeschrieben, wobei man wohl auch das „hier (in Heidingsfeld)" mit herübernahm. Im Jahre 1708 starb der berühmte Fürther Rabbiner Bärmann Frankel. Er hatte letztwillig den Wunsch hinterlassen, sein Name möge durch Eintragung in ein Vlemorbuch verewigt werden. Dieser Wunsch war es offenbar, der die Gemeinde Fürth, die bisher anscheinend nur einfache Märtyrer- und Nekrologlisten verwendet hatte, endlich zur Anlage von 2 würdigen Gemeindememorbüchern für die „Altschul" und die ,,Neuschul" veranlaßte, in die der verstorbene Rabbiner eingetragen wurde. Aber noch mehr. In so ziem-

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