Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 6 (1928)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1928)
- Article
- Memorbücher
- Date
- 1928-11-01
- Page
- Seite 705 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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MEMORBÜCHER 705 Wie überall, gehen auch in Bayern selbst die ältesten Memorbüeher nicht über das letzte Viertel des XVI. Jahrhunderts zurück. Als die ältesten dürften wohl die von Pfersee, Zirndorf und das genannte von Aub zu betrachten sein, alle kurz nach 1600 entstanden. Die allermeisten aber entstanden erst um 1700 und später. Trotzdem gehen fast alle in ihrem Inhalt oft um Jahrhunderte zurück, da bei der Neuanlage meist alte, sehr oft Jahrhunderte weit zurückreichende, bisher gottesdienstlieh benutzte Nekroiogisten der Gemeinde in das neue Buch einfach übertragen wurden. Dieses wird z. B. im Memorbuch Thcilheim ausdrücklich vermerkt und tritt auch besonders in den zwei Fürther Memorbüchern klar zutage. In Ermetzhofen wurde die bisher benutzte alte Liste einfach in das neu angelegte, um den liturgischen Teil bereicherte Memorbuch eingeheftet. Wenn darum auch oft auf dem Titelblatt das Anlage jähr angegeben ist, so wird man doch überrascht die Beobachtung machen können, daß die Nekrologlisten viel tiefer zurückreichen. Nur wenn man sich dies stets vor Augen hält, löst sich so manches historische Rätsel beim Studium dieser Bücher. Auch wenn das Anlagcjahr nicht angegeben ist, hat man doch in den meisten Fällen einen Anhaltspunkt für dieses. Zu den stets wiederkehrenden liturgischen Stücken gehört nämlich das Gebet für den Landesfürsten, das allsabbatlich nach der Thoraverlesung feierlich vom Vorbeter verrichtet wurde, der hanaussen t'sclmoh. Mit wenigen Ausnahmen wurde nun bei der Neuanlage der Name des gerade regierenden Fürsten in dieses Gebet gleich eingetragen; durch die uns bekannte Regierungszeit desselben kennen wir dann auch die ungefähre Anlagezeit. Wenn nun der Regent starb, half man sich gewöhnlich, indem man seinen Namen mit einem Papierstreifen überklebte, der den Namen des neuen enthielt. »Später wurde bei gleichem Anlaß auch der neue überklebt, so daß man oft, wie z. B. bei dem Schwabacher Gemeindememorbuch, mehrere Schichten übereinander findet. Oder aber der alte Name wurde durchstrichen und mit dem neuen überschrieben; endlich aber finden wir, daß der alte Name ausradiert und dafür der neue eingesetzt wurde. Das geschah wohl auch mehrmals. Da nämlich die Memorbücher in vielen Fällen aus Pergamentblättern bestanden, konnten diese leicht mehrere Rasuren vertragen. Leider führte diese Erscheinung auch schon zu Irrtümern, wie z. B. bei Buttenwiesen, wo man die Rasur nicht anerkannte und demgemäß den jetzt sichtbaren Fürstenn amen als ersten aus der Anlagezeit ansah, wodurch sich verschiedene historische Rätsel ergaben. Auch der Schriftcharakter läßt oft Schlüsse über die Zeit der Anlage des Memorbuches zu.