Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 6 (1928)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1928)
- Article
- Judentrachten
- Date
- 1928-11-01
- Page
- 684 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Bedecken — Aus: Brautzug der Juden in Fürth Aus dem vierbändigen Jüdischen Lexikon, das der Jüdische Verlag, Ber]inW57, herausgibt und von dem bereits zwei Bände erschienen sind, während die letzten bis zum Sommer 1929 iolgen. Nachdruck verboten. Copyright 1928 by Jüdischer Verlag, Berlin des 17. Jahrhunderts eingebürgert hatte. Sie sollten sich auch nicht die damals modernen Zierpflästerchen ins Gesicht kleben. Die jüdischen Frauen in Fürth, die nicht gegen die Vorschrift verstoßen wollten, gingen auch im 18. Jahrhundert etwa in der Tracht, die um 1600 in Deutschland modern gewesen war; sie trugen über dem Kleid, das mit einer Kröse verziert sein konnte3 einen höchstens nachlässig über den Schultern hangenden Mantel ohne Aermel15). Die zu der Kröse gehörige Haartracht mußte fest anliegend sein; darüber wurde die Haube, zuweilen auch ein gescheitelter Kopfputz getragen. Das Schuhwerk sollte in keiner Weise verziert, auch nicht gestickt sein, es sollte nur einfaches ledernes Schuhwerk verwendet werden16). So wie es noch bis Ende des 18. Jahrhunderts blieb, so war es auch in den früheren Jahrhunderten schon gewesen: es bestand immer eine gewisse Zurückhaltung gegen die auffälligen Modeerscheinungen; sie konnten sich nur, wenn sie längere Zeit Bestand gehabt hatten, Eingang bei den Juden verschaffen. An gewissen kleinen Abweichungen in der Tracht waren die Juden immer kenntlich. Wohl wurde eine Zeitlang ein besonderes Judenabzeichen gefordert; aber bereits im 18. Jahrhundert wurde gar nicht mehr auf das Tragen des Abzeichens geachtet; die Juden waren ja ohnedies an den Bärten kenntlich, die damals in Deutschland sonst nicht mehr getragen wurden17). Gegen Ende des 18. Jahrhunderts wurde alles plötzlich anders. Die Juden gingen unmittelbar zu der damals allgemein getragenen Tracht über und legten vielfach auch ihr natürliches Kennzeichen, denBart,ab18). Aber keineswegs wurde diese Aenderung als Selbstverständlichkeit widerspruchslos hingenommen. Die Folge war vielmehr, daß eine Unmenge von Karikaturen entstanden, ganz besonders zu Beginn des 19. Jahrhunderts. *) Liebe, Georg. Das Judentum in der deutschen Vergangenheit. Leipzig 1903, Abb. 1. a) Quincke, Wolfgang. Handbuch der Kostümkunde. Leipzig 1908, S. 86 f£. 8) Hottenroth, Friedrich. Altfrankfurter Trachten. Frankfurt 1912, S. 343. *) Robert Ulysse. Les Signes d'Inf amie. Paris 1891, S. 90. 5) Hefner-Altenecks J. Trachten, Kunstwerke und Gerätschaften. Frankfurt 1881, T. 121. 6) Berliner, Dr. A. Aus dem Leben der deutschen Juden im Mittelalter. Berlin 1900, S. 65. 7) Quincke, a. a. O., S. 114 ff. «) Liebe, a. a. O. S. 29. 9) Liebe,, a. a. 0., Abb. 7 und Abb. 9. ,0) Kohut, Dr. Adolph. Geschichte der deutschen Juden. Berlin 1908, S. 168. n) Vorbildersammlung der Gesellschaft zur Erforschung jüdischer Kunstdenkmaler A 2691. 12) Vorbildersammlung der Gesellschaft zur Erforschung jüdischer Kunstdenkmäler, 644, 645. 18) Würfel, Andreas. Historische Nachrichten von der Judengemeinde in der Hofmarkt Fürth. Frankfurt u. Prag 1754, S. 151. "j Würfel, a. a. O. S. 149. Liebe, a. a. O. Abb. 78. lfi) Würfel, a. a. O., S. 148. Liebe, a. a. 0.r Abb. 79. 16. Würfel, a. a. O., S. 155. ») Würfel, a. a. O., S. 6. 18) Liebe, a. a. O. Abb. 94.