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Menorah · 1928-11-01 · Heft 11-12 (November 1928) · p. Seite 682

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
6 (1928)
Issue
Heft 11-12 (November 1928)
Article
Judentrachten
Date
1928-11-01
Page
Seite 682 (sequence 2)
Language
German
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632 MENORAH so singt der jüdische Minnesänger Süßkind von Trimberg, der um die Mitte des 13. Jahrhunderts lebte, und der auf diese von ihm selbst beschriebene Weise auf der Miniatur einer mittelalterlichen Handschrift gezeigt wird1). Sein Mantel gleicht weder dem damals höchst modernen Schulterniantel des Stiftsherrn, noch der Tunika der beiden andern Personen, die im 13. Jahrhundert nicht mehr der neuesten Mode entsprach2); vielmehr hat der Sänger einen weiten, an den Seiten bis zur Brust geschlitzten Ueberwurf an. Als Abzeichen hat er auf dem Kopf den spitzen Judenhut, der seit dem Lateranischen Konzil im Jahre 1215 laut behördlicher Vorschrift von allen Juden getragen werden mußtet). Allgemein vorgeschrieben war die Form des Hutes, während die Farbe an verschiedenen Orten wechselnd war. Auf der hier erwähnten Miniatur ist der Hut gelb, in Nürnberg z. B. war er von roter Farbe4). Einen weißen Hut trägt der Jude, der auf einem Glasgemälde aus dem 13. Jahrhundert dargestellt ist, das sich in der Kapelle des Schlosses Mainberg bei Sehweinfurt befinden soll5). Das Gemälde war ursprünglich in der Pfalzburg bei Ingelheim, die im 13. Jahrhundert zu Bayern gehörte. Dieses Bild ist deshalb so interessant, weil der Jude hier das sogenannte mi-parti Kleid trägt, d. h. ein Gewand, das sowohl in der oberen als in der unteren Hälfte jeweils rechts und links von anderer Farbe ist: weiß und gelb, beziehungsweise grün und rot. Während im Orient die Wahl von bunten Stoffen der natürlichen Vorliebe für eine gewisse Farbenpracht entsprach, wurde in Deutschland in der damaligen Zeit nur deshalb vielfarbige Kleidung getragen, weil man den Wunsch hatte, sich zu schmücken und die Aufmerksamkeit der Umwelt zu erregen; da war es für die Juden, bei denen die Tracht nur die Aufgabe hatte, den Körper zu verhüllen, ein gewisses stillschweigendes Uebereinkommen, wenig grelle Farben zu wählen. Nur in Zeiten der Gefahr trugen die Juden, um unerkannt zu entkommen, solche auffallenden Trachten6). Tatsächlich soll auf dem hier erwähnten Bild die Vertreibung der Juden aus dem Tempel dargestellt werden, und der Jude ist hier wohl absichtlich durch die von ihm häufig auf der Flucht gewählten Farben charakterisiert. Im 14. Jahrhundert wurde in Deutschland selbst bei den Vornehmen der lange Rock verkürzt und im 15. Jahrhundert sah man den langen Rock nur noch bei feierlichen Gelegenheiten7). Die Juden aber trugen auch noch weiterhin den langen Ueberwurf, so daß es gelegentlich vorkam, daß sie für Priester gehalten wurden, die zu einer feierlichen Amtshandlung gingen. Deshalb hat z. B. die Stadt Augsburg 1432 beim Kaiser den Antrag gestellt, daß durch einen Erlaß den Juden das Tragen eines besonderen Abzeichens verordnet werden sollte8). Tatsächlich wurde den Juden im Laufe der nun folgenden Jahre befohlen, ein gelbes Rad auf ihre Kleider zu nähen, zunächst in Nürnberg, dann in Augsburg, Bamberg usw. Aul den Abbildungen des 15. und 16. Jahrhunderts ist dieses Zeichen stets auf dem Ueberwurf der Juden angebracht, der nach wie vor vorne geschlossen blieb und entweder an den Seiten aufgeschnitten war oder nur weit eingeschnittene Aermellöcher hatte9). Als Kopfbedeckung wurde von den Juden um 1500 vielfach die Gugel getragen3 eine große Kappe, die den Kopf vollständig einrahmte und sich wie ein Umhang noch über die Schultern fortsetzte. Im Laufe der nächsten Jahrzehnte kam es wohl in einigen Städten vor, daß auch die Juden sich das nun allgemein getragene Barett, den flachen Hut, zulegten; doch mußten zuweilen die ortsfremden Juden, z. B. in Nürnberg10), die Gugel tragen, weil die Behörde einen Unterschied zwischen ihnen und den einheimischen Juden machen wollte. Trotzdem das Barett, das im 16. Jahrhundert in Deutschland in Aufnahme gekommen war, schon nach sehr kurzer Zeit auch von den Juden getragen wurde, werden in den seltensten Fällen auf den Bildern der nun folgenden Periode, wenn Juden und Nichtjuden zusammen dargestellt sind, beide in der gleichen Kopfbedeckung gezeigt. Wenn der Jude ein Barett auf dem Kopf hat, trägt der Nichtjude einen hohen Hut. Es kommt zuweilen an manchen Orten vor, daß die Juden laut behördlicher Vorschrift den Reif aus dem Barett herausnehmen müssen, so daß es wie eine läppische Mütze unordentlich um den Kopf des Trägers herumfliegt11). Auf den Bildern des 18. Jahrhunderts reicht der nunmehr in der Mitte aufge-

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