Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 6 (1928)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1928)
- Article
- Die finanziellen Beziehungen zum Staat
- Date
- 1928-11-01
- Page
- Seite 680 (sequence 3)
- Language
- German
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680 MENORAH Zweifel, denn es wird wohl auch im 18. Jahrhundert keine Kaufleute gegeben haben, die selbst in schweren Zeiten lediglich aus Vaterlandsliebe die Armee versorgt hätten. Es ist auch nur so erklärlich, daß sich die Juden im darauffolgenden Siebenjährigen Krieg wieder um alle Arten von Heereslieferungen bewarben. Es gelang ihnen leicht, denn der Staat hatte kein Geld, um die Verpflegung der Truppen in eigener Regie durchzuführen, und so kam es, daß fast während des ganzen Krieges die Verproviantierung nahezu ausschließlich von jüdischen Enterpreneuren durchgeführt wurde. Nur während eines Feldzuges versuchte man es mit einem christlichen Lieferanten; aber der Versuch ergab ein so klägliches Fiasko, daß man doch wieder eine gut organisierte jüdische Truppenverpflegung einer versagenden christlichen vorzog. Um aber den lautgewordenen antisemitischen Klagen gewisser Kreise in der Heimat nachzugeben, setzte man an die Spitze der jüdischen Lieferungsgesellschaft einen Christen, Herrn v. Thiereck, als Hauptadmodiateur. Die Lieferungen aber, vor allem was ihre wirtschaftliche Seite betraf, lagen bis Kriegsende unter jüdischer Obhut. Erst nach Friedensschluß erfolgte die Versorgung der Truppen wieder nach altem Stil aus den staatlichen Proviantämtern. Nur zur Ergänzung der Remonten wurden von Fall zu Fall noch Verträge mit Juden abgeschlossen. Erst mit dem Regierungsantritt Karl Theodors und der damit verbundenen Angliederung der Pfalz an Bayern traten die Juden auch als Verpflegsadmodia teure wieder stärker in den Vordergrund. Die Möglichkeit dazu war ihnen vor allem dadurch geboten, daß man das Submissionsverfahren einführte und die jüdischen Angebote meist am günstigsten lauteten. Mit dem erwähnten System brach man wieder bei dem Ausbruch der Koalitionskriege. Die Juden hatten sich aber im Laufe des Jahrhunderts so festzusetzen gewußt, daß man nunmehr die Verpflegung des Heeres fast lückenlos ihnen anvertraute. Nun versuchten sie, da es ihrer viele waren, sich gegenseitig das Geschäft abzugraben, bis es endlich im Jahre 1800 dem Juden Seligmann tatsächlich gelang, sich als alleiniger Unternehmer für die Verpflegung der gesamten Truppen durchzusetzen. Er steht an der Schwelle des 19. Jahrhunderts, und mit ihm ist der Höhepunkt jüdischer Finanzbeziehungen zum bayerischen Heere im 18. Jahrhundert erreicht. Er ist es auch, der durch ansehnliche Kredite mit Bayern wieder Beziehungen anknüpfte, die in dieser Form so viele Jahrzehnte geschlummert hatten, die aber nunmehr um so größere Ausdehnung annehmen sollten. Die mit ihm einsetzende neue Ära, die sich auch durch die Art der Kapitalhingabe von der alten unterschied, reicht aber schon in das 19. Jahrhundert hinüber und schaltet deshalb aus der vorliegenden Betrachtung aus.